Publication:
Berlin: Rockenstein, [1898]
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365674
Path:

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lande bis hinter die Chausseegabelung aufwärts zu klimmen.
Hier aber folgt der Lohn, denn in langem Fall zwischen
reizend gelegenen Seen hindurch, rollen wir mühelos in
die alte Stadt Drossen ein.
Das ist doch noch ein Städtchen, wie sich einen er
leseneren Poetenwinkel die kühnste Phantasie des Romantikers
nicht ausdenken kann. Haben wir auch schon an anderen
Orten Stücke mittelalterlicher vermorschter Stadtmauer,
altersgraue, lauhumrankte Thortürme samt dazu gehörigen
dämmergrünen Wallpromenaden gefunden, so ist doch hier
in Drossen der ganze, alte heimliche Zauber von Stadtmauer,
Thor und Wall noch vollständig beisammen, als hätte die
Weltgeschichte seit den Zeiten des Herzogs Hans von Sagan
bei diesem Orte stillgestanden.
Hoch ragen noch die Wickhäuser, die Warttürme mit den
tiefen Verliessen, die Thore mit trotzigen Zinnen; und um
all diese wehrhaften trotzigen Bauten schlingt sich immer
grünes Epheugerank; breitausladende Linden und Kastanien
rauschen, schonend die breiten Risse verdeckend, ihr ewiges,
trauliches Lied und es überkommt uns so ein wohlthuendes
Gefühl:
„Als ob ich hier zu Hause sei,
So winken mit dem Finger
Ratswage, Fleischbank und Probstei,
Gewandhaus, Zunft und Zwinger . . .“
so würde Freund Singuf singen und ihm nach wandern wir
ins freundliche Wirtshaus, das aber hier nicht vom Weissen
Bär zum Lamm sich wandelte, sondern als helle, freundliche
„Sonne“ vor uns leuchtet.
Doch nicht jedem hat Drossen so freundlichen Empfang
bereitet; die hiesigen Bürger und'Ratmannen scheinen ihren
Frankfurter Kachbaren an Mannesmut und trotziger Kraft
nicht viel nachgegeben zu haben, denn als Hans von Sagan
dem Markgraf Albrecht Achill das Herzogtum Glogau-Ivrossen
streitig machte und 1477 keck und übermütig, pochend auf
•den Schutz und die Unterstützung der Könige von Ungarn
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