Publication:
Berlin: Rockenstein, [1898]
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365744
Path:

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Lebuser Vorstadt, stellt noch die fast gleichaltrige
St. Georgskirche. Umgeben von Hospital und Friedhof,
macht das Kirchlein inmitten sfeiner grünen Anlagen einen
wahrhaft poetischen Eindruck, zu welchem die immer noch
nicht verwischten Spuren der schwedischen Pulversprengung
ihr gut Teil beitragen.
Nach rechts durch die Kolleg'ienstrasse zogen wir
weiter, vorüber an der ehemaligen Universität in der Riehl-
strasse, in deren noch den alten schlossähnlichen Charakter
zeigendem Bau das städtische Realgymnasium, die sogen.
„Oberschule“ ihre bildende Stätte aufgeschlagen. Schon
Albreclit Achill beabsichtigte die Mark in Frankfurt mit
einer hohen Schule zu beschenken, die vielen Kriegshändel
Hessen diesen Plan jedoch nicht zur Ausführung kommen.
So nahm sein Sohn, Johann Cicero, den Gedanken auf und,
teils auf seine, teils auf Kosten der Stadt wurde das
„Fürstenkollegium“, jenes Obersclml-Gebäude 1499 errichtet.
In Gegenwart des Kurfürsten Joachim I., sowie des ganzen
Hofes und sämtlicher märkischen Bürgermeister vollzog
Dietrich von Biilow, Bischof von Lebus, der das Kanzleramt
der neuen Universität übernommen, die feierliche Einweihung
der Yiadrina, deren erster Rektor D. Conrad Wimpina
wurde, während Ulrich von Hutten einer der ersten
Studenten war. -
Doch über die Universität leuchtete kein glücklicher
Stern. Schon die entschieden altgläubige Stellung, welche sie
während der Reformationszeit einnahm, war ein Fehlgriff
und diese Parteinahme für eine in Norddeutschland doch
vollständig verlorene Sache schädigte die Stiftung der Hohen-
zollern auf’s empfindlichste. Akte, wie die Verleihung des
Doktorhutes an den Ablasshändler Johann Diez aus Leipzig,
dem übelbeleumundeten Dominikaner Tetzel für seine [156
Lehrsätze gegen Luther; dann die von dem zelotischen
Pfaffen vorgenommene Verbrennung von Luthers Sermon
vom Ablasse in der Gubener Vorstadt, sowie Professoren-
Streitigkeiten auf religiösem Gebiet trugen zum Gedeihen
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