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Full text: An Oder und Neisse

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ausstirbt; es giebt in der preussiscben Ober- und Nieder- 
Lausitz zusammen höchstens noch 100 000 Wenden, von 
denen nur der zwanzigste Teil die slavische Sprache beherrscht. 
Kottbus ist eine reiche Stadt; sie ist die Königin am 
mittleren Spreelaufe. Nicht allein in den Anlagen des Ortes 
sowie in den vielen neu aufgeführten Bauten — besonders 
in der Spremberger Vorstadt bezw. in der Kaiser Eriedrich- 
strasse — und der behäbigen, sicheren Haltung ihrer Be 
wohner spricht sich diese Wohlhabenheit aus, sondern auch 
in den vielen milden Stiftungen, welche diese Stadt von 
Alters her besitzt. 
Mit Sicherheit kann weder das Jahr der Gründung, 
noch der Erbauer der Stadt bezeichnet werden, die Sage 
nennt Heinrich I. als solchen und verlegt die Gründung in 
das Jahr 930. Um 900 muss Kottbus aber schon ein be 
deutender Marktflecken gewesen sein. Erwiesen ist nur, 
dass in der heutigen Lausitz — luca d. i. „Sumpfland“ — 
die Semnonen wohnten, deren Pfahlbauten die nachdrängen 
den Slaven durch Erdaufschüttungen in Dörfer mit Rund- 
oder Burgwällen umgestalteten. Solche Aufschüttungen sind 
die „Schwedenschanzen“ beim Dorfe ZallSOlV und der Kott 
buser Schlossberg unweit der Sandower Spreebrücke. Auf 
einem Hügel von zwanzig Meter Höhe steht als Rest des 
alten Schlosses nur noch der als Gerichtsgefängnis benutzte 
Südflügel und als Wahrzeichen der Stadt der aus der ältesten 
der „Herren von Cottbus“ stammende mächtige Bergfried 
des Amtsturmes. An Stelle des alten Schloss - Hauptflügels 
erhebt sich das Amtsgericht. 
Der Name der Stadt ist unfraglich slawischen Ursprungs 
und setzt sich wahrscheinlich aus Koiza = Kiefernwald und 
woz = Überfahrt zusammen, er würde also soviel wie „Wahl- 
fuhrt“ bedeuten. 
Bis 1156 wird Kottbus in keiner Urkunde genannt, von 
da ab herrschten hier wie in Peitz, Drebkau, Sommerfeld 
und Lieberose die Herren von Cliotibuz bis zur Mitte des 
15. Jahrhunderts. Nachdem die Hussiten 4000 Mann stark
	        
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