Path:
Text

Full text: An Oder und Neisse

Da aber brach die Schreckenszeit der Hussitenkriege 
herein. 1429 wurde Guben nach kurzer Belagerung von den 
Hussiten eingenommen, zerstört und die Einwohner aufs 
grausamste gemartert. Kaum hatte sich die Stadt von diesem 
schweren Schlage erholt, so legte 1450 eine neue Feuersbrunst 
die Stadt samt der Klostervorstadt in Asche. 
Dann kam die Zeit der Reformation, und Guben nahm 
als erste Stadt der Lausitz die neue Lehre an. Schon 1519 
wurde der Anfang damit gemacht, dass man die Aufführung 
der Passionsgeschichte auf dem Markte einstellen liess, aber 
erst 1524 hielt Nikolaus Kümmel, der Bruder des damaligen 
Bürgermeisters, die erste evangelische Predigt, die mit grossem 
Beifall aufgenommen wurde. Doch trat bald eine Gegen 
strömung ein und Nikolaus Kümmel musste mit seinen Ge 
nossen Franziskus Rast und Leonhard Reif schleunigst aus 
der Stadt entfliehen. Doch schon nach kurzer Zeit riefen 
die Bürger die Prediger zurück und bekannten sich zur Lehre 
Luthers. 
Neue Leiden brachte der 30jährige Krieg. Plünderung, 
Brandschatzung und drückende Kontributionen folgten rasch 
aufeinander, Pest und Hungersnot rafften Tausende hin. 1642 
wurde die Stadt vom schwedischen Oberst Stalhandske be 
lagert und durch Bombardement die sächsische Besatzung 
zur Übergabe gezwungen. Nach dem Westfälischen Frieden 
kam Guben an Sachsen und verblieb bis 1815 in dessen Besitz. 
Als der siebenjährige Krieg ausbrach, schrö])ften 
Preussen, Russen und Österreicher die Stadt gleicherweise, 
nicht minder schwere Wunden schlugen ihr auch die Durch 
märsche der Jahre 1812—1815. Nach dem Wiener Frieden 
1815 wurde sie dann dem preussischen Staate einverleibt und 
konnte sich von dieser Zeit an durch vereinte Bemühungen 
von Staat, Gemeinde und Privaten zu dem entwickeln, was 
sie heute ist. eine der industriereichsten und wohlhabendsten 
Städte der Niederlausitz. 
Und nun liiess es Abschied nehmen von der rauschenden 
Neisse und dem winkligen, engen und doch so schön ge
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.