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Full text: An Oder und Neisse

am Ende der mehrfach ge 
krümmten Königstrasse, 
am AY erderthor ragt der 
dicke runde Zindeltunn mit 
Zinnen und Kegelspitze über 
etliche Refte der wehrhaften 
Stadtmauer hoch in die 
Luft, fast als suche er die 
mit ihm zusammengestande 
nen Brüder und Kampfge 
nossen! Doch ach, ver 
gebens ist sein Spähen! 
Sind auch noch einige der alten Baudenkmäler erhalten, 
Guben ist doch modern, trotzdem ganz neuzeitlich ge 
worden, das sprechen die vielen, über den mittelalter- 
Hchen Strassen ihre dichten Rauchwolken lagernden Fabrik- 
essen in recht verständlicher Sprache aus. Zumal wenn wir 
nach weiterem Spaziergang über den Kastanien- und Linden 
graben, in der Haagstrasse Kaminskys Berg erstiegen und 
vom dortigen Aussichtsturm über die zu Füssen liegende Stadt 
mit ihrem regen Leben und Treiben die Augen fortwandern 
Hessen, bis sie im duftigen Grün der romantischen Bergwellen 
einen ruhespendenden Haltepunkt fanden. 
Und als wir drum an der „(iriiiicn AViese“ auf der 
Aclienbach-Briicke über die Neisse zurück wieder in der Alten 
Poststrasse dahinschritten, hörten wir interessiert auf den 
kurzen, geschichtlichen Vortrag unseres Führers. Als dörf 
liche Niederlassung einst von den Semnonen erbaut, wurde 
der dann von den A\ r enden bewohnte Ort schon im Jahre 
300 durch den römischen Feldherrn Lucca in einen Markt 
flecken verwandelt. Auf einem seiner Unterwerfungszüge 
kam Kaiser Heinrich I. auch hierher und erweiterte die 
jedenfalls noch immer recht dürftige Anlage zu einer wall« 
umlagerten Stadt „Gubin“, der verschiedene vorteilhafte 
Vorrechte veriiehen wurden. Um die unruhige slavisclie 
Bevölkerung jedoch im Zaum zu halten, wurden die heiligen
	        
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