Publication:
Berlin: Rockenstein, [1898]
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365744
Path:

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Schon hier an der links abzweigenden Poststrasse beginnen
die Reminiscenzen der Yorzeit. Hier, wo jetzt das Amts
gericht steht, erhob sich das 1157 von Kaiser Barbarossa
bei seinem Aufenthalte auf dem Zuge gegen die Polen be
gründete und mit 30 Gütern und Dörfern reich dotierte
hochberühmte Cisterzienser-Nonnenkloster, von dem noch
einige kümmerliche Reste im Gerichtshöfe erhalten ■ sind.
Hier ist die hübsche Kloster- oder Bauernkirclie 1860 neu
errichtet worden.
Ein prächtiger Blick bietet sich von der Grossen Brücke
über die rauschende Neisse. Links, umschlungen von dem
schäumenden Strom, taucht die idyllische Schützeninsel mit
ihrem im schönen Park vergrabenen Schützenhaus auf,
während sich am jenseitigen Ufer die imposanten Neisseberge
stufenförmig aufbauen; rechts prangt die alte Stadtmühle
mit ihrer schon seit 1563 bestehenden Wasserkunst. Und
nun ging’s durch die schmale Klosterstrasse mit den hoch
und originell gegiebelten Häusern zum Markt mit der gross
artigen Lorenzkirche. Ueber 500 Jahre alt, wurde der
zinnengekrönte, immerhin noch 60 Meter hohe massive West
turm des Gotteshauses nur mit einem um so schwindsüchtiger
abschliessenden schlanken Aufbau abgeschlossen. Wirklich
schön sind die hohen Wölbungen des Inneren, sowie ein
Schatz auserlesener Altargefässe und die geschnitzte und
vergoldete Kanzel. An der Mauer der „Marktkirche“ be
gegneten wir dem geschmackvollen Denkmal, welches des
„frommen Sängers“ und Bürgermeisters Frank (gestorben 1677)
gedenkt.
Alt wie die Kirche, ist das teilweis aus dem 13. Jahr
hundert stammende, ehrwürdige Rathaus mit seinem keck
aufstrebenden Osttürmchen und den verschnörkelten Man
sarden. 1672 durch ein Kaufhaus erweitert, baute man
ihm auch eine Säulenhalle vor; und wie hier am Markt, er
freuen in der Herrenstrasse und an vielen anderen Orten
köstliche, in unzähligen verschiedenen Mustern ausgeführte
Renaissancegiebel der Bürgerhäuser unser Auge. Weiter aber
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