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Full text: An Oder und Neisse

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weniger malerischen Anblick der Oderniederung ober 
halb Frankfurts, des grossen Eichwaldes auf dem linken 
Oderufer, der auf mächtiger, weitgespannter Eisenbrücke den 
Strom überschreitenden Märkisch-Posener Eisenbahn und der 
fernen bewaldeten Höhen des Lebuser und Sternberger 
Landes, welche den Lauf des Flusses malerisch begrenzen. 
Wie schon bemerkt, sind wir hier auf historischem Boden, 
denn bis hinüber zu den Mühlberg'en nördlich von Kuners 
dorf befanden sich die Stellungen der von Soltikow be 
fehligten Bussen und der mit ihnen verbündeten Österreicher 
unter Laudon. Man sieht in der Ferne nordöstlich von 
Frankfurt unter buschigem Grün die Dörfer liegen, durch 
welche Friedrich der Grosse, der mit seinem Heere bei Beit 
wein gegenüber von Göritz die Oder überschritten hatte, 
gegen die Feinde heranmarschierte, und ganz deutlich liegt 
endlich das Gelände selbst vor uns, auf dem am 12. August 
1759, einem Sonntage, jener mörderische Kampf stattfand, 
der nach anfänglichem Siege Friedrichs mit einer so schweren 
Niederlage endete, einer Niederlage, die beinahe den Unter 
gang Preussens herbeigeführt hätte, wenn nicht zum Glück 
die Feinde nachher so unthätig geblieben wären. „Dies. 
Glück ist ein miracle für das Haus Brandenburg“, wie der 
König an Prinz Heinrich schrieb. 
Auf wenig guter und etwas hügeliger Strasse, aber durch 
landschaftlich recht interessantes Gelände zogen wir dann 
dem etwas über 24 km entfernt liegenden Ziebingen entgegen. 
Durch die Frankfurter Stadtforst gings dahin, am Forst 
linus Grüner Tisch vorüber, dann wurde der Pulverkrug 
passiert, ein schön an der Eilang gelegener Ort mit Papier 
mühle und gutem Wirtshaus, um dann nach längerem Marsch, 
bei dem wir die Pleiske überschreiten, in das ausgedehnte 
bedeutende Dorf Ziebingen einzuziehen. Die Besichtigung 
des ausgedehnten Schlossparks* der dem Grafen Fink von 
Finkenstein gehörenden Herrschaft gab uns erwünschten 
* Meldung beim Gärtner. 
Radler-Streifzüge durch die Mark Brandenburg, XXII. 
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