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Full text: An Oder und Neisse

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nach links die Krossener Chaussee nach Kunersdorf ah, die 
bewaldeten Höhen der Laudon’s Berge umgehend. Auf dem 
höchsten dieser Berge, an denen 1759 im August die Russen 
verschanzte Stellungen nahmen, auf der Kleists Hülle, erhebt 
sich ein schon von der Oderbrücke sichtbarer, 20 m hoher, 
massiver, nach Art der alten Thortürme erbauter Ausblick. 
Von der Plattform des leicht zu besteigenden Turmes 
bot sich uns eine entzückende Fernsicht: „0 Lust vom Berg 
zu schauen, weit über Wald und Strom!“ Doch erst wird 
das Auge im Westen gefesselt von dem überaus reizvollen 
Bilde, das die auf dem engen Raume zwischen der Oder und 
den sie begleitenden Höhen langgestreckt liegende „Garten 
stadt“ gewährt. „Liebliche Gartenstadt“, wir verwunderten 
uns immer im Stillen ob dieser scheinbar unmotivierten Be 
zeichnung und doch — wie angemessen ist sie: 
„Rings blühende Bäume am Gartengang 
Und grünende Reben am Hügelhang.“ 
Auf der Hochfläche hebt sich der Balinliof hervor, die 
Vorstadt Bereslnclien und die neuen Kasernenanlagen. 
Weithin nach Korden ist der sich durch die Niederung 
schlängelnde Silberstreifen des Oderstromes sichtbar und 
deutlich gewahrt man das wie an einen Bergkegel geklebte 
alte Städtchen Lebus. Vom 
Winde geblähte Segel 
heben sich am Horizont ab 
und aufsteigende Rauch 
wolken künden die Fahrt 
der die Lastschiffe stromauf 
schleppenden Dampfer an. 
Mit bewaffnetem Auge ge 
wahrt man sogar deutlich 
die Kirchtürme der vier 
Meilen entfernten Festung 
Küstrin. Wendet sich der 
Blick nach Süden, so ge- 
niesst man einen nicht 
Kleistturm in Frankfurt a./'O.
	        
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