Publication:
Berlin: Rockenstein, [1898]
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365744
Path:

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schrift — denn der Rat hielt auf strenge Weinkontrole —
„Hic gallus vinum teilet immixtum peregrinum.“ Damals
mögen hier die edlen Geschlechterherren wacker gebechert
haben, heut ist der Besuch des wirklich schönen Lokals nur
gering und geschieht einzig von Handwerkern, Soldaten, die
sich bei recht minderwertigen Konzertleistungen mit ihren
Schätzen unterhalten.
Weitaus an Schönheit und Majestät übertrifft alle Bau
denkmäler der Oderstadt die Hauptpfarrkirche zu
St. Marien, welche fünfschiffig 1325 auf dem Oberen Markte
oder Kirchplatz errichtet ward und mit den gewaltigsten
Kirchenbauten der Mark wetteifern darf. Wenn auch äusser-
lich fast schmucklos, unregelmässig, rauch- und wetterge
schwärzt und nur noch eintürmig — der südliche der beiden
mit Zinnen und achteckiger Pyramide gekrönten 67 m hohen
Türme stürzte 1826 ein — birgt die Kirche ausser ihrem
schönen Geläut herrliche Kunstschätze. Ausserordentlich
reich ist die Pforte im Norden, welche zu einer unter den
Lützelburgischen Markgrafen angebauten Kapelle führt, mit
Sandsteinskulpturen geschmückt. Heiligen-Figuren, gotische
Architektur, die Wappenschilder des kaiserlichen Hauses
und der vornehmsten patrizischen Bürger bilden eine reiche
und prächtige Dekoration, wie sie sich an keiner märkischen
Kirche alter Zeit wiederfindet.
Wunderbar licht, grossartig und die Seele erhebend
wirkt das Innere, obwohl auch hier die Wiederherstellungs
arbeiten neuerer Zeit viel von dem alten Schmuck auf den
Märtyrer-Chor verbannte. In einziger Pracht strahlen ältere und
neuere gemalte Fenster uns entgegen, herrlich — ein Werk
wahrscheinlich italienischer Kunst — erhebt sich bis zu den
Anfängen des hohen Gewölbes der Hochaltar, dessen ge
schnitzter und bemalter Figurenschmuck in seiner leuchtenden
Pracht von keinem märkischen Altarwerk übertroffen wird.
Ein gleichhochwertiges Kunstwerk ist der siebenarmige
mächtige 4 m hohe und gleich breite Metallleuchter, den
ein Kannonikus 1376 der Kirche schenkte. Schliesslich sei
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