Publication:
Berlin: Berliner Bezirksverein Deutscher Ingenieure, 1893
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364546
Path:

4
west- und süddeutschen Landsleute kennt, der weiß, wie sie von
vornherein über ein solches Vorhaben urtheilen werden, aus
schließlich von Berlinern ins Leben gerufen und geleitet und vor
allem bestimmt, Berlin Vortheil zu schaffen; ein Unternehmen,
dessen Nothwendigkeit man dort noch viel weniger begreifen
wird als bei uns. Anfangs wird man die Achseln zucken über
die Sucht der Berliner, sich wieder einmal hervorzuthun; miß
lingt das Unternehmen, was durch widrige Verhältnisse immer
hin möglich ist, so wirds an bitterem Spott nicht fehlen; ge
lingt es, so wird die Berliner Ausstellung von neuem
den Reigen der zahllosen kleinen Ausstellungen in
anderen deutschen Haupt- und Provinzialstädten er
öffnen, wie wir sie schon einmal in den 80er Jahren erlebt
haben. Damit ist auf's neue eine höchst unwirthschaftliche Ver
geudung nationaler Kräfte eingeleitet, es wird kaum irgend
welcher Nullen gestiftet, wohl aber dem deutschen Partiku
larismus abermals kräftige Nahrung zugeführt.
Der Aufruf stützt sich auf die Berliner Gewerbeausstellnng
vom Jahre 1879, deren Lorbeer», wie es scheint, die Veran
stalter des jetzigen, zum Theil zugleich die Leiter des damaligen
Unternehmens, zu neuen Thaten reizen. Aber damals lagen die
Verhältnisse ganz anders als jetzt. Damals wollte sich Berlin
als Hauptstadt des neu erstandeneu deutschen Reiches der Mit
welt in seinem Glanze und seiner Tüchtigkeit präsentiren, wollte
dem übrigen Deutschland zeigen, daß es nicht nur eine Militär-
nnd Beamtenstadt, sondern auch ein Handels- und Industrie-
platz ersten Ranges sei. Das hat Berlin heute nicht mehr
nöthig. Und wenn es sich jetzt von neuem ohne Noth zur
Schau stellt, so will es eben, wird man sagen: „sich zeigen".
Der Aufruf läßt die Hoffnung durchblicken, daß aus der
Berliner doch noch eine nationale Ausstellung werden möchte.
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.