Publication:
Berlin: Erich Merten & Co., [um 1896]
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364558
Path:

Die Kanalisation von Städten
nach dem Druckluftsystem.
Vorwort und Allgemeines. Eine dringliche Aufgabe der Gegenwart besteht darin.
die Klein- und Mittelstädte zu kanalisiren, um der Ver
pestung ihres Untergrundes — von undichten Kinnsteinen
und Abtrittsgruben her — ein Ende zu bereiten, die
Sterblichkeit ihrer Bewohner zu vermindern und ihrer
gesammten Einwohnerschaft die zeitgemässen Annehmlich
keiten einer guten Hausentwässerung zu gewähren.
Zum Schaden der öffentlichen Gesundheitspflege unterbleibt
aber die Lösung der erwähnten Aufgabe allzu lange; sie
wird oft auf unbestimmte Zeit vertagt, weil die Stadt
behörden gewöhnlich die Kosten einer Kanalisation für
unerschwinglich ansehen. Man macht nämlich zum Befremden
des Gesundheitsingenieurs den grossen Fehler, die Kosten
der Kanalisation einer Kleinstadt nach den Kosten der
Kanalisation einer Grossstadt zu bestimmen und kommt
dann freilich zu Bausummen, die eine Kleinstadt in der That
nicht auf bringen kann.
Einheits- und Aus vielen Gründen, namentlich wegen ihrer dichten
Trennungssystem. Bevölkerung und ihrer befestigten Stadtflächen, müssen die
Grossstädte gewöhnlich nach dem Schwemmsystem
(Einheitssystem) kanalisirt werden, dessen unterirdische
Kohrleitungen und gemauerte Kanäle zur Fortführung von
Wirthschafts-, Fabrik-, Kloset- und Kegenwässern dienen.
Nun übertrifft aber die Menge des gelegentlich in den
Leitungen abzuführenden Regenwassers die Menge des
Haus- und Klosetwassers (in der Stunde des grössten
Wasserverbrauchs) mindestens um das 40fache. In den
meisten Fällen wird es sich dabei um 20 bis 30 1 Regen
wasser handeln, die binnen 1 Sekunde von 1 ha bebauter
Stadtfläche abzuführen sind. Setzt man eine Stadt von
25 000 Einwohnern mit 120 ha Stadtfläche voraus, so
müssten die Leitungen fähig sein, unter Umständen allein
an Kegenwasser in 1 Sekunde rund 3000 1 zu bewältigen.
Dies bedingt aber so weite und theure Kanäle, dass die
Baukosten der Kanalisation auf 7500 bis 9500 Mark für
1 ha Fläche zu veranschlagen sind, sonach für die gedachte
Kleinstadt auf rund 1 100 000 M. Da ist es denn kein
Wunder, dass man die Kanalisation der Kleinstadt nach dem
Muster der Grossstadt unterlässt.
In den weitaus meisten Fällen ist es nun aber nicht ge
boten und oft überhaupt nicht nötliig, dass Kleinstädte, gleich
den Grossstädten, das Regenwasser im Kanalisationssystem
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