Publication:
Berlin: Erich Merten & Co., [um 1896]
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364558
Path:

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Es zeigt sich nämlich oft, dass das Stammrohr der
Kanalisation, wegen seiner Länge und wegen der horizontalen
Lage der Stadtfläche ein sehr schlechtes Sohlengefäll erhalten
muss, namentlich dann, wenn das Grundwasser hoch steht
und man mit dem unteren Ende des Stammrohrs nicht allzu
tief unter Pflaster kommen will. Da hei solchen örtlichen
Verhältnissen auch erhebliche Strecken der anderen Zweig-
und Strassenrohre entweder schlechte Gefälle erhalten oder
mit dem Stammrohr unter schwierigen Verhältnissen tiefer
angeordnet werden müssen, so würde eine solche
Kanalisationsanlage mit Nothwendigkeit stark erhöhte Bau-
»
und Betriebskosten entstehen lassen, ohne dass sie als eine
vollkommene bezeichnet werden könnte.
Das Baumschema ist auch für den Fall unpassend, wenn
die Stadt hoch und niedrig gelegene Flächen hat und wenn
die Stadtwässer an der Pumpstation (am Tiefenpunkt)
gehoben werden müssen: in solchem Falle müsste man die
jenigen Wässer wieder heben, die in den hoch gelegenen
Stadttheilen sieb schon hoch befanden. Auch würden gute
Gefälle mit schlechten wechseln, steile Zwischenleitungen
würden die hoch gelegenen Rohre mit den tief gelegenen
verbinden, und es würde in einem solchen Rohrsystem die
durchaus gebotene Stetigkeit im Abfluss der Stadtwässer
erheblich gehindert sein.
Es können also erhebliche örtliche Schwierigkeiten vor
liegen, die es recht unzweckmässig machen, die Stadt,
wenn schon nach dem Trennungssystem, so doch nach dem be
sprochenen Schema (mit einem Tiefenpunkte) zu kanalisiren.
Dann aber überwindet man solche Schwierigkeiten, wie es
flache und niedrige oder hügelige Stadtoberflächen, hoher
Grundwasserstand, lange Sammler und Stammrohre mit
schlechten Gefällen (1: 600 bis 1 :1500) sind, durch folgende
Ausführungsart der Kanalisation:
Anstatt eines Tiefenpunktes ordnet man mehrere
Tiefenpunkte im Stadtgebiet an; man zerlegt also die
Stadtfläche, je nach den örtlichen Verhältnissen in vier, fünf
und mehr Entwässerungsgebiete, deren jedes seinen Tiefen
punkt natürlich möglichst in seiner Mitte erhält. Dem
centralen Tiefenpunkte jedes Gebiets fliessen von allen (vier)
Seiten die in radial angeordneten Rohren ankommenden
Schmutzwässer zu. Ein sofortiger Erfolg dieser Einrichtung
ist dann der, dass die Stadtwässer nirgendwo zu erheblichen
Wasseradern anschwellen und dass man den Strassenrohren
wegen ihrer geringen Länge von 200 bis 600 m bei guten
Gefällen (1:200 bis 1:400) geringe Weiten (von 18 bis
25 cm) geben kann, die nicht nur billiger sind, sondern auch
stets vortheilhafter, als unnütz grosse Rohrweiten von 25 bis
50 cm. Solche engen Leitungen mit starkem Gefälle lassen
offenbar in betriebstechnischer und gesundheitlicher Hinsicht
nichts zu wünschen übrig.
Der eben vorgeführte Plan der Kanalisationsanlage hat,
wie Jeder zugeben wird, seine zweifellosen Vorzüge, — es
fragt sich nur, auf welche einfache Weise man die in den
Tiefenpunkten ankommenden Wässer weiterbefördern kann.
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