Publication:
Berlin: Erich Merten & Co., [um 1896]
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364558
Path:

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aufnehmen. In sehr vielen Kleinstädten fliesst das Regen
wasser, bequem und ohne Schaden anzurichten, oberirdisch
den Fliessen der Gegend zu; höchstens wäre es nur hier
und da in der Stadt und nach Bedarf nöthig, eine kurze
unterirdische Rohrleitung für Regenwasserfortführung her
zustellen. Jedenfalls macht die Fortführung des selten
kommenden Regenwassers in Kleinstädten hei Weitem
nicht die Sorge wie die Fortführung des täglich und
dauernd in den Haushaltungen erzeugten Wirthschafts-,
Kloset- und Gewerhewassers. Danach muss es genügen,
wenn man eine Kanalisation nur für diese Wässer einrichtet,
deren Menge in 1 Sekunde der Stunde des grössten Wasser
verbrauchs für 25 000 Einwohner nach Erfahrungssätzen nur
auf rund 60 1 zu schätzen ist oder auf 0,5 Secundenliter von
1 ha Stadtfläche. Es liegt auf der Hand, dass eine solche
Kanalisation nach dem Trennungssystem (Schwemm
kanalisation ohne Regenwasser) wegen ihrer geringfügigen
Wassermengen erheblich billiger sein muss, als die nach dem
Schwemmsystem mit den gewaltigen Regenwassermengen. In
der That schwanken die Kosten des Trennungssystems für
1 ha Stadtüäche zwischen 2500 und 4500 M., und unsere Stadt
würde dafür rund etwa 400000 M. aufzuwenden haben. Die
Amortisation und die Verzinsung einer solchen Summe kann
aber jedes aufstrebende Gemeindewesen möglich machen.
Nimmt man an, dass die jährliche Tilgung, Verzinsung
und Betriebsführung des Trennungssystems 34000 M. kostet
und dass 25 000 Einwohner auf 1700 Grundstücken zu je
3 Familien wohnen, so hätte jedes Grundstück eine jährliche
Kanalisationsabgabe von 20 M., jede Familie von kaum 7 M.
aufzubringen, wofür alles Schmutzwasser und die Abtritts
stoffe auf der Stelle bequem und dauernd zum Abfluss
kämen. Selbst wenn der Hausbesitzer noch den, auf die
Miether mit Recht theilweise abzuwälzenden, Wasserzins und
die Verzinsung der Baukosten der Hauskanalisation (200 bis
600 M. für das Grundstück) in Rechnung stellte, so würde
sich zeigen, dass mittels des gesteigerten Miethswerths der
Häuser die Kosten eines Trennungssystems bequem bestritten
werden können, — wenn man nur überhaupt seine Stadt an
den Vortheilen einer zeitgemässen Gesundheitspflege und den
häuslichen Annehmlichkeiten einer Kanalisation Antheil
nehmen lassen will.
Im Allgemeinen wird die Kanalisation nach dem
Trennungssystem so ausfallen, dass in jeder Strasse ein
oder zwei Strassenrohre liegen, deren mehrere sich in
einem Zweigrohr vereinigen und dass mehrere Zweigrohre
sich einem Stammrohr anschliessen. Dieses beginnt am
abgelegensten Punkte des Entwässerungsgebietes, durch
zieht die Stadt der Länge nach und endigt am tiefsten
Punkt der Stadtfläche. Die Kanalisationsleitungen werden
also wie die Verzweigungen eines Baumes ausgelegt sein.
Aber nicht immer ist ein solcher Plan leicht durchführ
bar. In viel mehr Fällen, als man glauben möchte,
wäre er fehlerhaft und würde dauernd die Interessen
der Stadtgemeinde schädigen.
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