Publication:
1891
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364528
Path:

Die Bevölkerung nach Standesämtern und Stadttheilen.
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Die Zunahme der Bevölkerung hat in Berlin 20 Procent gegen die
Zählung vom 1. December 1885 betragen, oder durchschnittlich jährlich
3.65 Proc. der mittleren Bevölkerung. In den übrigen 25 Städten des
deutschen Reichs mit mehr als 100 OOO^Einwohnern betrug die Zunahme
nur 2.83 Proc. jährlich, in den 21 Städten mit 50 000 bis 100 000 Ein
wohnern 3.31 Proc., in den 103 Städten mit 20 000 bis 50 000 Einwohnern
2.29 und im Durchschnitt des Reichs jährlich 1.07 Proc. (vgl. Statistik des
Deutschen Reichs 1891). Von den Städten mit über 50 000 Ein
wohnern wiesen eine größere Zunahme als Berlin auf: Magdeburg (auch
ungerechnet die dort vorgenommenen Einverleibungen), Düsseldorf, Halle, Esten,
Erfutt, Kiel, Duisburg und vor Allem, mit der größten Zunahme aller
deutschen Städte mit über 20 000 Einwohnern (11.57 Proc. jährlich) das
benachbarte Charlottenburg.
Es zeigt sich in der vorstehenden Tabelle, daß die innere Stadt zum Theil
recht erheblich — bis zu 21 Proc. auf dem Friedrichswerder — an Be
völkerung abgenommen hat, daß dagegen die peripherischen Stadttheile recht
bettächtlich zugenommen haben. Dies hat nicht nur seinen Grund in der
Durchlegung von Sttaßen, Anlage von Plätzen u. s. w., wodurch die Zahl
der Grundstücke in dem Standesamt I z. B. von 1929 im Jahre 1880 auf
1721 im Jahre 1890 zurückgegangen ist, oder in der Umwandlung von
Wohnhäusern in Geschäftshäuser, sondern offenbar auch in der ganz natür
lichen Tendenz, daß eine doch vorzugsweise durch Einwanderung herbeige
führte große Bevölkerungszunahme sich nach den Stadttheilen hin stärker
geltend macht, wo mehr Raum für die Zunahme vorhanden ist. So schreitet
überhaupt die Zunahme um so stärker vor, je mehr man sich der Grenze
der Stadt nähert, und jenseits der Grenze steht, wie die S. 14 eingefügte
Tabelle der Vororte nachweist, das Zunahmeverhältniß theils noch über dem
eigentlichen Berlin. Es sind die Standesämter I und II, welche seit 20
Jahren an Einwohnerzahl abnahmen. Die Zählung von 1871, bis zu
welcher noch eine Zunahme festgestellt werden konnte, wies für diese beiden
Aemter zusammen 153 372 Einwohner auf, gegen 126 126 im Jahre 1890,
sodaß die Entvölkerung in 19 Jahren 27 246 Menschen beträgt. Es ist
dies derjenige Theil der Stadt, welcher im Norden durch die Spree vom
Reichstagsgebäude bis zum Monbijougarten und die Stadtbahn bis fast zurJanno-
witzbrücke, dann im Südosten durch die Spree bis zur Gerttaudtenbrücke, durch
den Spittelmartt, die Commandanten- und die Lindenstraße bis zum Belle-
Alliance-Platz (einschließlich der Ostseite) und im Westen durch die Königgrätzer-
straße, deren eine Seite in das ftagliche Gebiet fällt, eingeschlossen wird.
Das Standesamt VI, wo sich 1885 bis 1890 ebenfalls wie schon 1875 bis
1880 eine Abnahme der Bevölkerung zeigte, schließt nach Osten an das bezeichnete
Gebiet an und wird im Norden durch die Spree bis zur Schillingsbrücke,
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