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Welchen Zeitpunkt man aus der Vergangenheit der Stadt für die Darstellung
zu wählen hätte, war nach einer Richtung hin eigentlich von selbst gegeben.
Wenige Jahrzehnte nach dem dreißigjährigen Kriege schuf der große Kurfürst
seine Residenz zu einer Festung nach neuein System um, die Stadtmauern
verschwanden, moderne Umwallung mit Bastionen und Kurtinen trat an ihre Stelle.
Dadurch allein schon, abgesehen von den Veränderungen im Innern, war für
Berlin der Uebergang zur modernen Stadt vollzogen, sie befand sich auf dem
Wege ihrer heutigen Entwicklung. Dies Berlin, wie es sich unter den fänden
des großen Kurfürsten gestaltet hatte, empfahl sich also in keiner Weise zur Darstellung.
Aber wie weit sollte man nun in die frühere Vergangenheit zurückgreifen?
Ls lag die Gefahr nahe, daß man in Regionen gerieth, wo man vornehmlich
nur auf die Phantasie angewiesen war.
Die Frage erledigte sich indessen unschwer. Man erkannte auf den ersten
Blick, daß das ganze Mittelalter doch zu wenig Material für ein Vorhaben, wie
es hier geplant war, hinterlassen hatte, und sah sich sofort auf eine jüngere Zeit
verwiesen. Ls zeigte sich, daß die (Quellen für die Darstellung erst reichlicher
fließen, wenn man das sechszehnte Jahrhundert durchwandert und von da weiter
in das siebzehnte vorwärts geht, und eigentlich am ergiebigsten für den Zweck
unmittelbar nach der Beendigung des dreißigjährigen Krieges, also kurz vor dem
Zeitpunkt, der nicht überschritten werden durfte, um nicht in den Bereich der
modernen Stadt zu gerathen. Wir genießen zugleich den Vortheil, sic theilweis
noch im mittelalterlichen Gewände zn sehen, obwohl das Mittelalter längst hinter
ihr lag.
Für den Leser, dem die Lntwicklungsgeschichte der Stadt nicht geläufig ist,
entwerfen wir hier einen flüchtigen Umriß. Ulan wird sich daraus zugleich überzeugen,
daß der gewählte Zeitabschnitt wohl der geeignetste war.
Berlin ist ein jüngerer Emporkömmling vielen anderen deutschen Stadtgemeinden
gegenüber. Ls wurde nach dem bewährten Muster längst blühender, älterer deutscher
Städte erst in der Zeit zwischen 1250 und 1240 von Markgrafen aus dem Haufe
Askanien gegründet. Und zwar brachten die Umstände es mit sich, daß sie nicht
nur eine Stadt anlegten, sondern zwei in kurzer Zeit nacheinander, Berlin und
Köln, auf jedem Ufer der Spree eine. Die beiden Gemeinden erhielten eine ausgedehnte
Feldmark, deren Lrtrag für mehrere tausend Menschen den Lebensunterhalt
zu liefern im Stande war, sie lagen außerdem an dem Kreuzungspunkte
eines Landhandelsweges mit einer Wasserstraße. Hierdurch war die Zukunft der
beiden (Orte gesichert und sie gediehen auch, wenn schon langsam, in den folgenden,
lang währenden Friedenszelten. Die Ausfuhr von Getreide und Holz und der
Durchgangshandel mit einer im Mittelalter besonders begehrten und einträglichen
Waare, dem Häring, brachten allmählich einen bescheidenen Wohlstand in das