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Mittheilungen über die Tabakkultur in verschiedenen Ländern der Erde

Full text: Spezial-Katalog des Tabak-Museums von Loeser & Wolff auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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zählte die Kolonie 4 000 Männer, 4 000 Frauen und Jungfrauen 
5 500 Kinder. 1896 dürfte ihre Einwohnerzahl nahezu 20 000 Seelen 
zählen In dem ersteren Jahre waren 16 Kirchen, 2 000 Wohnhäuser 
122 Mühlen, 19 Spritbrennereien, 26 Schulen, 4 Holzschneidemühlen, 
2 Brauereien, 2 Ziegeleien, 28 Geschäftshäuser vorhanden. Aus 
führliche Nachrichten hierüber enthält die vom „Centralverein für 
Handelsgeograqhie und Förderung deutscher Interessen“ heraus- 
gebene Schrift (Grofs Quart, Preis 1 Mk.) „Die deutschen Kolonien 
der Provinz Rio Grande do Sul". In Komission bei der Allgemeinen 
Verlagsagentur (Edwin Borman) Charlottenburg b. Berlin, Goethe- 
strafse 50, 
Tabakbau im Süden der Provinz Santa Catharina, Südbrasilien. 
Bericht von Herrn Georg Boettger in Brusque. 
Es ist mir bisher nicht gelungen, Produzenten und Händler 
zur Absendung von Mustern nach Berlin bewegen zu können. 
In den letzten Jahren ist der Tabakbau in hiesigem Munizip 
sehr zurückgegangen, so dals wir jetzt eigentlich keinen 
Einzigen haben, der gröfsere Quantitäten an den Markt brächte. 
Früher war der Tabaksbau nicht unbedeutend, heute ist er 
gleich Null. Der Grund dürfte wohl in unserer Kaufmanschaft 
bezw. in unseren Tabaksindustriellen zu suchen sein, welche 
dem Artikel nicht die Aufmerksamkeit zugewendet haben, die 
er in seiner Behandlung, Sortirung usw. erfordert, infolgedessen 
das Produkt immer hinter dem z. B. der Nachbarkolonie Blumenau 
zurückblieb und dementsprechend schlechter bezahlt wurde. 
ln Blumenau haben sich Cigarrenfabrikanten gefunden, die 
es sich angelegen sein lassen, die Pflanzung und Behandlung 
des Tabaks zu beleben und zu kontroliren! 
Leider ist auch in Blumenau, zum grofsen Schaden in Bezug 
auf Verbesserung der Qualität des Tabaks und seiner Preis 
ergebnisse in den gröfseren Konsumationsplätzen, wie Rio, Bahia, 
die Unsitte der Cigarren-Hausindustrie eingerissen, wonach jeder 
Tabakbauer sein Erzeugnis mit seiner Familie selbst zu Hand 
cigarren verarbeitet. Das Produkt dieser Kolonisten ist mit 
„schauerlich“ noch gelinde bezeichnet, und glaube ich, dafs 
dasselbe in Deutschland nicht Absatz finden würde! Das Meiste 
davon geht nach Rio an die Kommissionshäuser, welche nur 
einen sehr untergeordneten Preis dafür erlangen, der manchmal 
die Unkosten und den Rohwerth des Tabaks knapp deckt. 
Ein Vergleich der Preise der Brusquer und Blumenauer 
Cigarren aus einer der dortigen Fabriken wird meine Aussage 
bekräftigen. Dem Tabakbau steht hier nichts im Wege, ebenso 
wenig wie anderorts in der Umgegend. Vor mehreren (10) 
Jahren sind Versuche mit Havana- und Bahia-Tabaken gemacht, 
die an Qualität sehr guten Erfolg hatten. Leider aber erhielten 
die Kolonisten bei den hiesigen Kaufleuten bezw. Tabak 
industriellen nur sehr niedrige Preise, so dafs sie die Kultur 
dieser Arten, als zu wenig lohnend, liegen liefsen und zu der 
alten Sorte, dem aus Baden mitgebrachten Gundi, der als recht 
dickblätterig und dickrippig sehr ins Gewicht fiel, zurückgriffen.
	        
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