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Mittheilungen über die Tabakkultur in verschiedenen Ländern der Erde

Full text: Spezial-Katalog des Tabak-Museums von Loeser & Wolff auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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Fermentation versetzt, mehrmals auf- und abgewunden, so dafs 
die unteren Seile nach oben und umgekehrt kommen; aufser- 
dem kocht der Fabrikant eine Sauce, sog. „Mel“, aus Tabak 
und befeuchtet mit derselben, je nach der Abnahme der 
Feuchtigkeit, den zu präparirenden Rollentabak. Auf obige 
Weise längere Zeit behandelt, wird der Rollentabak von aufsen 
schwarz und inwendig von schön dunkelbrauner Farbe und 
recht angenehmem Geruch, gilt dann auch als genügend 
fermentirt oder „curado“ in portugiesischer Sprache. 
Die Präparation des Rollentabak ist eine zeitraubende und 
gerade nicht sehr saubere Arbeit. Sie wird vorzugsweise von den 
Brasilianern ausgeführt, die eine ganz besondere Routine hierin 
besitzen und geniefsen gewisse Gegenden resp. Fabrikanten 
den gröfsten Ruf. Selbst einige deutsche Kolonisten haben 
angefangen in gröfserem Mafsstabe sich dieser Branche zu 
widmen, im Allgemeinen aber fabrizirt der Kolonist für seinen 
eigenen Gebrauch, da er mit Vorliebe die mit einem Mais 
blatt umwickelte, von mit dem Messer fein geschnittenen 
Rollentabak fabrizirte „cigarro de palha de fumo crioulo“ raucht. 
Obwohl der Brasilianer im Allgemeinen kein grofser Freund 
der Arbeit ist, so sind doch einige, welche jährlich mehr wie 
ein Tausend Kilogramm dieses Rollentabaks zu Markte bringen 
und damit gewöhnlich einen sehr annehmbaren Preis erzielen. 
— Die in den Handel gebrachten Rollen haben durchschnittlich 
eine Höhe von einem Meter, eine Dicke von dreifsig Centi- 
metern und ein Gewicht von zwanzig bis dreifsig Kilogramm, 
aufserdem werden dieselben von dem Fabrikanten mit Mais 
oder Bananenblättern und Bast umwickelt. Beim Verkauf wird 
das in den Rollen sich befindende Holz mit zwei Kilogramm 
Taradiskontirt und dieRolle theilweisenach derCampanhaversandt 
oder an die Tabakschneide-Fabriken im Inlande verkauft, die 
den so beliebten, aromatischen, wohlschmeckenden, krausen 
Tabak („fumo crespo“) bereiten, zu der von Deutschen und 
Brasilianern so beliebten Stroheigarrette. 
Zum weiteren Transport werden die Tabakrollen noch mit 
Packleinen umhüllt, um dieselben vor Beschädigung zu schützen 
und das Austrocknen zu verhindern, darauf markirt und das 
Gewicht notirt. 
So schliefse ich denn diesen Bericht mit dem lebhaften 
Wunsche, dafs die so wichtige Tabakkultur in Rio Grande sich 
mehr und mehr vervollkommnen möge, um durch Erzielen 
besseren Products auch bessere Preise und sicheren Absatz zu 
erzielen. Mögen die auf der 1896er Berliner Gewerbe-Aus 
stellung zur Schau gestellten Proben Zeugnifs von der Tüchtig 
keit der Arbeit deutscher Kolonisten am Saume des fernen 
brasilianischen Urwaldes ablegen. 
Santa Cruz, 10. Januar 1896. 
Ernesto Zietlow. 
Nachschrift. Es sei bemerkt, dafs die Kolonie Santa Cruz in 
der Provinz Rio Grande do Sul, Süd-Brasilien, im Jahre 1849 durch 
deutsche Auswanderer begründet wurde. Ende der 70er Jahre
	        
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