Path:
Mittheilungen über die Tabakkultur in verschiedenen Ländern der Erde

Full text: Spezial-Katalog des Tabak-Museums von Loeser & Wolff auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

41 
von zwanzig Blättern als Durchschnitt betrachtet, obwohl bei 
dem sog. Riesen- oder Baum-Tabak bei einer Höhe von drei 
bis vier Metern und einem unteren Stammdurchmesser von 
sechs bis acht Centimetern, die Blätteranzahl auf einhundert- 
undzwanzig steigen kann. 
Behufs Samengewinnung läfst man die gröfsten und 
stärksten Pflanzen ungegipfelt, bricht aber die Seitentriebe 
ebenfalls aus und erntet mit den übrigen Pflanzen die Blätter 
zur gleichen Zeit. Sobald die Samenkapseln anfangen sich braun 
zu färben, schneidet der Kolonist die Samenbüschel ab und hängt 
sie im Schuppen oder im Hause zum Nachreifen auf, bis zum 
Gebrauch bei der neuen Saat. 
Die Tabakpflanze in der Roqa ist manchen Fährlichkeiten 
unterworfen und durch Hagelschlag und starken Wind wird 
manche Pflanze ruinirt; falls das Gipfeln nicht früh genug vor 
genommen wurde, fangen die Pflanzen am oberen Ende zu 
faulen an. Bei anhaltend nafskalter Witterung kranken, 
wie man zu sagen pflegt, die Pflanzen am Stamm und der 
Wind bricht solche um. Um dies zu verhindern, mufs der Ko 
lonist solche kranken Stämme rund herum mit Erde behäufeln; 
bei ungünstiger Witterung bilden sich Rostflecke auf den 
Blättern, die stetig an Umfang zunehmen und später leicht 
herausfallen; sobald dies bemerkt wird, mufs der Tabakbauer 
eilen, solche Blätter einzuheimsen. 
Die Insektenwelt verschmäht auch nicht ihre Zerstörungs r 
wuth an der Tabakpflanze auszulassen. So sind zwei Raupen, 
die eine von grauer und die andere von grüner Farbe, manch 
mal in solcher Menge in der Tabak-Roqa vorhanden, dafs trotz 
eifrigen Absuchens und Tödtens diese Plage fast nicht bezwungen 
werden kann. 
Heuschrecken, Schnecken und Regenwürmer setzen eben 
falls den Tabakpflanzen besonders zu, aber wohl das schlimmste 
Ungeziefer in den Tabakpflanzungen ist der Erdfloh, der vor 
zugsweise die unteren Blätter der Tabakstaude derartig durch 
löchert, dafs diese einem Siebe ähnlich werden. Das frühe 
Abernten solcher Blätter ist der einige Schutz gegen besagtes 
Ungeziefer. 
Sobald nun die Blätter der Tabakpflanze anfangen gelbliche 
Blasen zu bekommen, ist es an der Zeit, mit der Ernte zu be 
ginnen, welche schon im Monat Januar beginnt und im Februar 
ihren Höhepunkt erreicht. 
Beim Einernten mufs darauf gesehen werden, dafs die 
Blätter nicht gequetscht werden, da solche Stellen schwarz 
und daher fehlerhaft werden. Gewöhnlich bricht der Tabak 
bauer die Blätter resp. die ganzen Stämme des Morgens, um 
dieselben vor dem Heimfahren welk werden zu lassen. Das 
Trocknen der Blätter wird auf zwei verschiedene Weisen vor 
genommen. Entweder werden dieselben von den unteren, dem 
Sandgut, anfangend je nach der Reife einzeln abgepflückt und 
auf Schnüre gezogen, welche dann in den Trockenschuppen 
aufgehängt werden, besonders wenn es dem Kolonisten an
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.