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Mittheilungen über die Tabakkultur in verschiedenen Ländern der Erde

Full text: Spezial-Katalog des Tabak-Museums von Loeser & Wolff auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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Direktors von Schwerin und des verstorbenen Herrn Carl 
Trein zu verdanken, zu dem heute bedeutenden Exporthandel 
die Initiative gegeben zu haben: Man kann wohl mit 
Recht behaupten, dafs der Tabak-Handel resp. der Tabak-Bau 
für die entfernt gelegenen und mit weniger günstigen Verkehrs 
mitteln versehenen Kolonien eine Lebensfrage ist, und von 
dem Ausfall der Tabak-Ernten das Wohl und Wehe solcher 
Kolonien abhängt. 
Der tabakpflanzende Kolonist verfährt auf folgende Weise: 
Im Monat Juli oder August wird der Tabaksamen auf einem 
Platz, der möglichst vor kalten Winden geschützt ist, am 
Rande des Waldes oder auf einer im Walde selbst gemachten 
Lichtung (Rotja, sprich Rossa) ausgesät, nachdem vorher noth- 
dürftig der Boden mit der Harke aufgelockert worden ist. Dann 
wird der Natur überlassen, das Uebrige zu thun. Bei günstiger 
Witterung sprossen dann die jungen Pflänzchen schon nach 
zehn bis zwölf Tagen hervor und thut die gütige Natur das 
Weitere, um dem Kolonisten das nöthige Material zur Pflanzung 
zu liefern; von Unkraut jäten resp. vom Begiefsen der jungen 
Pflänzchen bei anhaltender Trockenheit ist keine Rede. 
Der Boden der Pflanzschule, wenig oder recht nothdürftig 
zubereitet, thut in den meisten Fällen seine Schuldigkeit, oft 
aber folgen die Nackenschläge hinterher, wenn da keine be 
sondere Auswahl solcher Pflanzstätten von Seiten der Ko 
lonisten getroffen, der Boden oft nicht tauglich, wenig oder 
gar nicht gelockert und zubereitet ist. Dann finden sich bald 
recht viel Feinde ein, die den Pflänzchen verderblich werden 
und besonders bei anhaltender Dürre sind es Erdflöhe, Raupen, 
Schnecken und anderes im Innern der Erde lebende Ungeziefer, 
das gemeinsam theils Blätter, theils Wurzeln zerstört, der 
gestalt, dafs oft bei Aussaat von bedeutender Menge Samen 
ein absoluter Mangel an jungen Pflanzen zur Zeit der Pflanz 
zeit herrscht. Ueber die Feinde des Tabaksbaues siehe S. 32. 
Gleichfalls zerstören kalte trockene Winde oft in wenigen 
Tagen schon grofse kräftige Pflänzchen. In Anbetracht dieser 
Fährlichkeit sät der Kolonist gewöhnlich an verschiedenen 
Stellen und zu verschiedenen Zeiten seinen Tabaksamen aus, 
um mehr Gewifsheit zur Erlangung von Pflänzchen zu haben. 
Leider hat sich die Anlage einer bestimmten, geschützten 
Pflanzschule, mit Hecken oder Mauer umgeben und gut um 
gearbeiteten Boden, noch nicht eingebürgert. Der Kolonist 
hier zu Lande zieht die bequemere, mühelosere Methode vor. 
Je nach dem Verlauf der Witterung, Temperatur und 
sonstigen mafsgebenden Umständen und Verhältnissen sind die 
Pflänzchen nach einem Alter von sechs bis acht Wochen ver 
setzungsfähig und obwohl die Agrikultur im Allgemeinen von 
den Witterungsverhältnissen abhängt, so ist dies im Besonderen 
beim Auspflanzen der jungen Pflänzchen in die Roqa der Fall. 
Bang hängen die Augen der Tabakbauern in dieser Zeit 
am Himmel, um nach Regen auszuschauen und sollte dieser 
eintreffen, so geht die ganze Familie, nachdem vorher aus der
	        
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