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Full text: Eine Weltausstellung in Berlin / Brockhoff, Albert

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kosten, als sie nützt; in der Hitze hat er sich nun zu dem Extrem 
verstiegen: sie wird nichts nützen- Hernach mäßigt er sich aber 
dahin, daß eine Weltausstellung für die gesammte Industrie weder 
dauernde Wirkungen haben, noch erheblich im Voraus wirken 
könne. Dies wird dahin präzisirt: „Bis zum Jahre 1884 wird 
die Industrie so gut wie keine Notiz von ihr nehmen." Das ist 
eine Beleidigung der Deutschen Gewerbtreibenden. Alle anderen 
Völker haben von einer Weltausstellung zur anderen in edlem 
Wetteifer gearbeitet, um bei dem großen Examen zu bestehen; 
gearbeitet, nicht in Ueberstürzung auf täuschenden Schein hin, 
sondern in bedächtiger Fortentwickelung und Verwerthung der 
empfangenen Anregungen und geschauten Vorbilder; sollte der 
Deutsche allein in stumpfer Indolenz sich diesem Impulse ent 
ziehen? — „Kein Geschäftsmann wird sich der Weltausstellung 
halber auf das Erfindeil verlegen" ruft Herr Lüders aus. Als ob 
inan sich auf das Erfinden verlegte, wie auf das Kartenspielen. 
Als ob man sich vornehmen könnte, vor der Weltausstellung und 
für dieselbe eine Partie Erfindungen zu machen, wie der Kuchen- 
bäcker vor dein Jahrmarkt eine Partie Bretzeln fertig stellt. — 
Kein Scheingrund ist so fadenscheinig, daß er nicht aufge 
hoben würde. So wird gesagt: „In unzähligen Fällen steht 
dem Vortheil und vermehrten Absatz des eineil inländischen Pro 
duzenten eine entsprechende Einbuße auf Seiten eines anderen 
gegeilüber." Nichtig. Die öffentliche Koilkurrenz bewirkt, daß der 
tüchtige Produzent ans Kosteil des untüchtigen seinen Absatz aus- 
dehnt. Sollte Herr Lüders es rathsani finden, dem vorzubeugen? 
lind iveiln dies der Fall, inuß er nicht konsequenter Weise allen 
Ausstellungeil entgegentreten? 
Die „Paradestücke", welche zu den Weltausstellungen ange- 
sertigt werdeil, machen dein Verfasser großeil Kummer. Er ignorirt, 
daß auch größere Provinzial-, geschweige Landesausstellungen mit 
solchen beschickt werden und ohne sie schlecht bestehen würden. Er 
weiß iilir von der Kostspieligkeit dieser Objekte, nicht von ihrem 
Nutzen zu redeil, der für den Verfertiger in der Erhöhung seiner 
Leistungsfähigkeit und seines Selbstvertrauens und im Erwachen 
der Lust an gediegenem Schaffen — für Andere ül der anregeilden 
Einwirkliilg musterhafter Vorbilder liegt. In dieser zweiten Richtung 
äußert gelegeicklich Julius Lessing, der verdienstvolle Direktor
	        
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