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Full text: Eine Weltausstellung in Berlin / Brockhoff, Albert

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Arbeiten, die mehr praktische Erfahrung, als Rang und Anciennetät 
voraussetzen; endlich zu sehr begründeten Beklemmungen im Hin 
blick auf die Kritik, welche bisher so manchen öffentlichen 
Arrangements, die unter bureaukratischer Leitung gestanden, zu 
Theil geworden ist. Eine der Stimmen, die den Weltausstellungen 
viel mehr Nachtheile als Nutzen nachsagen und namentlich vor der 
Veranstaltung einer solchen in Berlin warnen, gehört dem Herrn 
K- Lüders an. Sein in den Preußischen Jahrbüchern unter 
dem Titel: 
„Das Projekt einer Weltausstellung zu Berlin im Jahre 
1885" 
erschienener Aufsatz ist als Broschüre versandt worden. 
Vorab widme ich der idealen Seite der Weltausstellungen, 
die von Herrn Lüders ganz ignorirt wird, ein paar Worte- Man 
kann frei sein von dem schönen Wahne, daß die Völker der Erde 
zu irgend einer Zeit eine einzige friedliche Familie bilden würden, 
und doch sich jeder Gelegenheit freuen, welche die Nationen ein 
ander näher bringt, zahlreiche Vertreter der entlegensten Länder 
zusanlmenführt zu friedlichem, freundlichem Verkehr. Ein „Kampf 
der Wagen und Gesänge", wie er einst um das Griechenvolk ein 
poesievolles Band geschlungen hat, ein Sänger- oder Schützenfest, 
lute es heute Landsleute und Sprachverwaudte fröhlich vereinigt, 
hat nicht Anziehungskraft genug, um von der Donau und der Seine, 
vom Euphrat und der Wolga, voin Missouri und dem Amazonen- 
strom die Menschen zusammenzuführen. Der Magnet, welcher dies 
vermag, setzt sich zusammen aus der Sucht zu erwerben und dem 
Triebe zu lernen, aus Ehrgeiz und Lust an der Arbeit, und aus einem ge- 
heimnißvollen Drange, der nur wenigen von den vielen, die ihm folgen, 
zum Bewußtsein kommt: der Ehrfurcht vor dem Gedanken einer 
Gemeinschaft aller Menschen. Daß dieser Gedanke sich bethätigen 
kann, ist einer der schönsten Triumphe unserer Zeit, und die Prediger 
der Nächstenliebe, die es ehrlich meinen mit ihrem Worte, sollten 
die Eröffnung einer Weltausstellung aller Orten feiern mit Orgel 
ton und Glockenklang. — 
Die Streitschrift des Herrn Lüders geht aus von dem be 
kannten Beschlusse des bleibenden Ausschusses des Deutschen Handels 
tags vom 21. November 1879, dessen Motivining allerdings nicht 
die glücklichste ist. Der Satz, daß der Gedanke einer Weitaus-
	        
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