Path:
Text

Full text: Eine Weltausstellung in Berlin / Brockhoff, Albert

Frankreich hat in seinem lebhaften Drange, die Republik 
als schaffenskräftig in Kunst und Gewerben der Welt vorzustellen, 
der Wiener Ausstellung von 1873 allzubald den neuen Aufruf an 
die Nationen folgen lassen. Die Ausstellung in Paris 1878, 
deren Schwerpunkt ein Zweikampf zwischen Frankreich und England 
war, trug im Ucbrigen viele Spuren ihrer verfrühten und den 
Schwierigkeiten einer kritischen Zeit nicht Rechnung tragenden Ver 
anstaltung. Sie hat das Wort „ausstellungsmüde" geschaffen. 
Es verdroß die Theilnehmer, daß sie dem übereilten Unternehmen 
sich nicht entzogen hatten. Die unbequemen und zum Theil un 
schönen Arrangements hatten zu der Verstimmung mitgewirkt. 
Daß die Weltausstellungen einen riesigen Ballast schleppen, der sie 
nutzloser Weise sehr kostspielig macht, ist bei der Pariser mehr als 
bei ihren Vorgängerinnen zum allgemeinen Bewußtsein gekommen- 
Die gemachten Erfahrungen müssen dazu führen, daß die inter 
nationalen Ausstellungen künftig mit längeren Zwischenräumen 
wiederkehren und sachlich eine wesentliche Beschränkung erleiden. 
Aber wegen vorgekommener Mißgriffe die Sache selbst aufgeben, 
heißt das Kind mit dem Bade ausschütten. Gleichwohl wird, seit 
die Anregung gegeben ist, nach einigen Jahren in Berlin eine 
Weltausstellung zu veranstalten, von mehreren Seiten Zeter ge 
schrieen über das Unheil, das gegen Berlin heraufzuziehen drohe- 
Es müßte befreinden, wenn unter diesen Pessimisten nicht die höchsten 
Berufsklasseu vertreten wären, unter welchen es Männer giebt, die 
beständig zu Beklemmungen neigen; zu Beklemmungen angesichts 
alles dessen, was ungewöhnlich und groß angelegt ist; zu Beklem 
mungen gegenüber dem, was dem Staate oder dem Reiche Kosten 
verursachen kann — mag auch die Aufwendung indirekt dem Lande 
reichlich eingebracht werden; zu Bekleminungen vor ungewöhnlichen
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.