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Full text: Eine Weltausstellung in Berlin / Brockhoff, Albert

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es von Berliner Zeitungen geschehen ist; der Verfasser bemerkt so 
gar, von Deutschen werde Berlin zum Vergnügen viel weniger 
aufgesucht, als es dies verdiene; er fügt dann zwar, mit der 
andern Hand nehmend, was er mit der einen gegeben, hinzu: wenn 
zu einer Reise nach Paris, London, Wien eine Ausstellung den 
Vorwand abgäbe und jedenfalls eine Verlängerung des Aufenthalts 
motiviren könnte, so dürfe man für Berlin nicht dasselbe erwarten. 
In der That hat sich Berlin seit dreißig Jahren mindestens in 
gleichem Verhältnisse verbessert und verschönert wie Wien. Bei uns 
vertheilt sich das auf viele Stellen, während in Oesterreichs Haupt 
stadt die Summe der neuen Schöpfungen dem Besucher in der 
Ringstraße bezaubernd entgegentritt. Berlin ist vollkommen in der 
Lage, eine Weltausstellung würdig aufzunehmen, und die Bemän 
gelung der Umgebung der Stadt wird 1885 noch ungerechtfertigter 
sein als jetzt, da alsdann durch die Stadtbahu der Grunewald 
mit den schönen Havelseen uns nahegerückt sein wird. Bis dahin 
kann auch der Fehler, daß man die Wetzlarer Bahn weit von 
Potsdam abgeführt hat, durch eine Zweigbahn auf das rechte 
Havelufer ausgemerzt und die Erreichung der reizvollen. Insel 
mittelst der Stadtbahn ermöglicht sein, was um so dringlicher, da 
der von der Potsdamer Bahn beabsichtigte Bau von Zehlendorf 
nach Charlottenburg aufgegeben ist. 
London, die großartige Welthandelsstadt, ist gleichzeitig eine 
der langweiligsten Städte der Welt. Gegen die Veranstaltung 
einer Ausstellung dort hat Niemand dies als Einwand geltend 
gemacht, am wenigsten ein Engländer. Der Berliner beschmutzt 
sein Nest, so lange er darin ist. Ist er draußen, so setzt er die 
Mulackstraße über die Avenue de l’Imperatrice. 
Wenn ich höre und lese, wie Berliner sich dagegen sträuben, 
daß die Stadt eine Wcltansstellung erhalte, so fällt mir der Protest 
ein, den seiner Zeit die Stadt Münster erfolgreich dagegen erhoben 
hat, daß sie von der Köln-Mindener Bahn berührt werde. Wer 
heute in Münster an jenen Protest erinnert, kann leicht Prügel be 
kommen. Davon, daß Unsummen Geldes vom Auslande hercin- 
kominen würden, ist nicht die Rede; die Gewißheit, daß schon 
2—3 Jahre vor der Eröffnung der Ausstellung die Stadt eine 
lebhaftere Physiognomie, erhöhtes Leben zeigen würde, bleibt un
	        
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