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Full text: Eine Weltausstellung in Berlin / Brockhoff, Albert

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schwung, den das Kunstgewerbe genommen hat und weiter zu 
nehmen verspricht, zu danken. 
Die Meinung, es genüge für unsere Kunstgewerbtreibenden, 
sich einmal an einer Weltausstellung betheiligt zu haben, setzt 
entweder voraus, daß alle Unternehmungen dieser Art über einen 
Kamm geschoren seien, oder daß die Wiener Ausstellung den Kul 
minationspunkt darstelle und daß künftig nichts Eminentes mehr 
kommen könne. Wäre dieses der Fall, so würde es gleichwohl für 
unsere nach älteren heimischen Mustern arbeitenden Gewerbtreiben- 
den, sollen sie nicht durch Einförmigkeit Schaden leiden, sehr rüth- 
lich sein, daß sie von Zeit 51t Zeit die Fortschritte anderer Völker 
und deren Eigenart zu beobachten Gelegenheit erhielten. 
Indeß jede neue nach angemessener Frist zu veranstaltende 
Weltausstellung wird des Neuen lind Bedeutenden zweifellos eine 
Fülle bringen; diese Erwartung für die Zukunft basirt auf den 
Wahrnehmungen der Vergangenheit. 
Ein kleiner Theil der hervorragenden Leistungen, die in zwei 
Industriezweigen die Wiener Ausstellung als neu, das heißt, als 
Fortschritte seit der Pariser Ausstellung 1867 vorgeführt hat, ist 
oben aufgezählt. Im Gebiete des Kunstgewerbes finden wir eben 
falls, obwohl der Deutsch-Französische Krieg hier arg gestört hat, 
nicht blos neue Anwendungen anerkannter Züchtungen, sondern 
auch manche geebnete Bahn, wo 1867 der Fuß nur zögernd 
zwischen die Felsen gesetzt ivard. In Paris hatte man z. B- das 
Bestreben gezeigt, die in der nationalen „Hausindustrie" erhaltenen 
Reste alten Kunstgewerbes sich zu sichern; in Wien wurde dies 
schon systematisch und auf breiter Grundlage betrieben. 
So auch bei Spezialitäten der Technik: 
Die Emailindustrie war bis 1867 nur bei den Franzosen 
mit Erfolg gepflegt. (Zwei Berliner, Ravene und Sußmann- 
Hellborn haben sich bekanntlich unter erheblichen eigenen Opfern 
der Ausgabe augenommeu, diese Industrie bei uns einzuführen, und 
1873 übertrafen die Deutschen Erzeugnisse bereits ihre Französischen 
Vorbilder.) Aber die feinere, in Japan übliche Art der Emaillirung 
(Zellenschmelz) zeigte sich 1867 nur in einem schwächlichen Ver 
suche, dessen Kostspieligkeit nicht zu weiteren Experimenten ermuthigte. 
In Wien 1873 präsentirten sich schon die glänzendsten Erzeugnisse 
dieses Verfahrens sowohl ans Englischem, wie aus Französischem
	        
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