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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

Königin Louise, welche von Memel aus, wo sie vamals mit vem Könige 
auf der Flucht vor Napoleon sich befand, troß der bedrängten Zeiten, hun- 
vert Friedrichsd'or zur Gründung ver Anstalt schenkte und zur Erhaltung 
von 4 Knaben seitdem Beiträge zahlte. Die Aufzunehmenden brauchen nicht 
gerade Waisen zu sein, auch ganz bedürftige Eltern können ihre Söhne dort 
unterbringen und werden diese zu tüchtigen Handwerkslehrlingen ausgebildet. 
Es wird bei ihrer Behandlung besonders auf Kräftigung der Gesundheit 
Rücksicht genommen , welcher Zweck erst recht erfüllt werden kann, nachdem 
die Anstalt von der alten Nicolai-Propstei, in welcher sie sich ursprünglich 
befand, im Jahre 1838 nach der Husarenstraße, jezt Hollmannsstraße, Nr. 15, 
hat verlegt werden können, wo ihr der wohlthätige Stadtrath Hollmann 
Haus, Hof und Garten im Werthe von 14,000 Thalern geschenkt hat. Da 
auch andere Legate ihr zugefallen sind, und jährlich 600 Wohlthäter ihr 
Gaben zuwenden, so können 50 Knaben in ihr erhalten und unterrichtet 
werden, wozu ein Inspector und ein Lehrer nebst einem Hausyater in der 
Anstalt wohnen. 
6) Die Louisen-Stiftung ist in Form eines großartigen Pensionats 
zum Gedächtniß Ihrer Majestät der am 19. Juli 1810 verstorbenen Königin 
Louise gegründet, deren Andenken freilich auch ohne jede Stiftung durch 
die Tugenden der Verklärten stets in dem preußischen Volke leben wird. 
Es lag in den Plänen derselben, eine Anstalt zu gründen, in welcher junge 
Mädchen durch Erzieherinnen unter Aufsicht von erfahrenen Vorsteherinnen, 
so wie durch wissenschaftliche Lehrer, eine Bildung, wie sie den höheren 
Ständen geziemt, erhalten sollten. Diese Idee ist nach ihrem frühen Tode 
durch vier hochgestellte Männer, den Staats-Minister von Klewiß, Ober- 
Consistorialrath 2 9lte, Geheimen Ober-Finanzrath Rosenstiel und Ge- 
heimen Staatsrath Sa>, welche dazu aus allen damaligen Provinzen des 
Landes mit namhaften Beiträgen unterstüßt wurden, bereits im Jahre 1811 
ins Leben gerufen worden. Se. Majestät der hochselige König gewährte ein 
Haus zur Wohnung und einen jährlichen bedeutenden Zuschuß. Die An- 
stalt befand sich bis zum Jahre 1829 in dem damals sogenannten Anspach- 
schen Palais, Wilhelmstraße Nr. 102, und erhielt, als dieses zum Hofhalt 
Sr. Königl. doheit des Prinzen Albrecht eingerichtet wurde, das große Haus 
mit Garten in der Markgrafenstraße 10, wo sie sich noch befindet. Es werden 
daselbst 24 junge Mädchen aus höheren Ständen vom 12. Jahre an gegen 
ein jährliches Honorar von 250 Thalern verpflegt, erzogen und unterrichtet. 
Je vier von ihnen haben eine Erzieherin, welche hier freie Wohnung, Bekösti- 
gung und allen Unterricht erhält, der sie befähigt, später selbstständig einer 
Erzieherinnenstelle vorzustehen. Zugleich finden im Hause auch 6 arme 
Mädchen mit vem 12. Jahre Aufnahme, die für ein künftiges Dienstver- 
hältniß in vornehmen Familien sic< ausbilden wollen. Außer einer Vor- 
steherin und zwei Lehrerinnen sind noch ein Geistlicher und mehrere wissen- 
schaftlich gebilbete Lehrer an “ver Anstalt beschäftigt. Die Oberaufsicht 
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