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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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den regelmäßigen Einkünften von dem Vermögen ver Anstalt fließen ihr 
noc< bedeutende jährliche Zuschüsse aus königlichen, wie aus städtischen 
Kassen zu. Dennoch werden nicht alle Kranke hier unentgeltlich verpflegt, 
sondern das Haus beherbergt auch eine große Anzahl von Patienten auf 
veren "eigene oder auf Kosten der Angehörigen. Für Handwerksgesellen muß 
das Gewerk, für Dienstboten die Brodherrschaft zahlen. Die Leitung des 
Ganzen ist stets in den Händen der bedeutendsten Aerzte des Staates. 
2) Das königliche Krankenhaus Bethanien auf dem Köpnier Felde, 
zwischen dem Kottbusser und Köpnicker Thore, eine Musterheilanstalt, in 
welcher die Krankenpflege von Diakonissinnen besorgt wird. Wir verdanken 
die Gründung derselben ver <ristlichen Barmherzigkeit und hochherzigen 
Milde unsers jetzt regierenden Königspaares. Der Grundstein zu dem groß- 
artigen Gebäude wurde am 23. Juli 1845 gelegt, und am 10. October 1847 
konnte die Anstalt und deren Kirche eingeweiht werden. Zehn Jungfrauen 
in einfachen blauen Gewändern, mit weißen Kragen und Hauben, traten an 
jenem Tage nebst ihrer Oberin, Fräulein von Rantzau, an den Altar 
und. wurden von dem Bischof Neander zu dem <ristlichen Werke ver 
Krankenpflea*, vem sie sich freiwillig gewidmet hatten, in Gegenwart Sr. 
Majestät ves Königs und der höchsten Behörden , eingesegnet. Ihre Zahl 
ist unterdez bedeutend angewachsen und soll auf dreißig steigen. Die neu 
Eintretenden müssen sich einem Noviziat unterwerfen. Die erste Frau Oberin 
ist in ihrem gottseligen Werke bereits verstorben , ihre Nachfolgerin ist die 
junge Gräfin Stolberg. 
Die Räume des Hauses sind auf eine so stattliche und zweckmäßige Art 
eingerichtet, daß ihr Anbli> mit Staunen und Vewunderung erfüllt, so wie 
die Pflege der Kranken mit der größten Liebe, Geduld und Hingebung von 
Seiten der Schwestern besorgt wird. Diese unterziehen sich übrigens auch 
den Geschäften der Deconomie, bereiten für die Kranken die Speisen, die 
Bäder, ja auch die Arzeneien in der Apotheke und stehen der Wäsche vor. 
Für die letztere, so wie für die Küche und' die Aufbewahrung von Vor- 
räthen, sind in den Kellerräumen des Hauses die zweckmäßigsten Einrich- 
tungen nach neuerer Erfindung getroffen. Die Zahl der Kranken, welche 
meist unentgeltlich gepflegt werden, worunter sich jedo< auch Penstionaire 
befinden, kann nach ven Räumlichkeiten bis auf 350 wachsen, doh sind so 
viele Betten noch nicht vorhanden. Die einzelnen Säle fassen zehn derselben 
und. sind mit allen möglichen Bequemlichkeiten versehen. Zwischen je zwei 
Sälen wohnen zwei Diakonissinnen. Ts giebt da auch kleine Wärmfküchen 
und dergleichen. Dor Anblick aller Räume, wiewohl diese von Leidenden 
bewohnt sind, ist wahrhaft erhebend. Wir näherten uns mit dem Prediger 
ver Anstalt dem Krankensale der kleinen' Mädchen und hörten aus demselben 
Geigenspiel und Gesang erschallen. In einem Bette saß ein Mädchen von 
etwa 13 Jahren und spielte auf einer guten Violine mit reinem und sicherm 
Ton eine geistliche Arie, welche von den anwesenden Kindern, so viel ihrer
	        
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