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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

drängt worden, nach welchem nunmehr die Central-Anstalt für gymnastische 
Uebungen unter ver Oberaufsicht ves Geheimen Ober-Negierungsrath Stiehl 
und Leitung des Hauptmanns Rothstein in der Kirschallee vor dem 
Oranienburger Thore besteht. Es werden darin Turnlehrer, besonvers für 
das Militair, aber auch für Schulen, gebildet und jene vorzüglich im Ge- 
brauch des Bajonets am Gewehr in mannigfältigster Weise geübt. Gleich- 
zeitig wird während des Sommers in der Hasenheide von den Schülern des 
königlichen Friedrich-Wilhelms-Gymnastums und der Nealschule, auch anderer 
Anstalten geturnt, und auch der Turnplaß bei Moabit wird von Knaben 
aus den städtischen Lehranstalten benußt. 
3. Gymnasien. 
Ihrer hat Berlin jetzt sieben; das älteste ist das zum grauen Kloster. 
Als im Jahre 1574 der lezte Franziskaner Mönch hierselbst verstorben war, 
wurde vom Kurfürsten Johann Georg ein Theil der Gebäude dieses Klosters 
ven beiden vereinigten Parochialschulen von St. Nicolai und St. Marien 
eingeräumt und die neue Anstalt am 22. November gedachten Jahres feier- 
lich eingeweiht, wobei der Kurfürstliche Kanzler Lambert Diestelmeyer 
eine schöne lateinische Neve hielt. Der erste Rector war der Magister Jacob 
Bergemann aus Bernau, unter welchem die Schule bald herrlich auf- 
blühte, so daß sie mehr als 600 Schüler zählte und selbst in der Kloster- 
Kirche Unterricht ertheilt werden mußte. Allein die Pest, welche darauf 
Berlin heimsuchte und Unfähigkeit des folgenden Rectors verminderte die 
Schülerzahl. Von den ferneren Nectoren, unter denen sich die Anstalt wieder 
erholte, erwähnen wir nur Samuel Rodigast um's Jahr 1700, weil er 
uns als Dichter des schönen geistlichen Liedes „Was Gott thut, vas ist 
wohlgethan“ werth ist. 
* Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts hat das Gymnasium drei 
berühmte Gelehrte zu Vorstehern gehabt, den Geographen Büsching, den 
Pädagogen Gedike und den in den orientalischen Sprachen ausgezeichneten 
Bellermann. Nach ihm haben die Directoren Köp>e, Nibbe> und 
Bellermann, der Sohn, den Nuf der Anstalt trefflich zu erhalten gewußt. 
Diese ist, sowohl durch die Gnade unsrer Fürsten, als auch aus dem Stadt- 
säckel stets reichlich mit Mitteln zu ihrem Bestehen versehen worden, hat aber 
auch von großmüthigen Wohlthätern durch Vermächtnisse und Schenkungen 
manchen Zuschuß erhalten. So dankt ste namentlich einen großen Theil 
ihrer reichen Ausstartung der Stiftung des Kaufmannes Sigismund 
Streit, welcher zu Berlin geboren, als wohlhabender Kaufmann zu Venedig 
verstarb, nachdem er in den Jahren 1752 und 1760 dem Klostergymnasium 
zusammen ein Kapital von 148,000 Ihlr. vermacht hatte, vas jeßt auf 
200,000 Thlr. angewachsen ist. Aus den Zinsen hievon erhalten neun Pro- 
fessoren Zuschüsse zu ihren Gehältern, werden einige Lehrer für neue Sprachen
	        
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