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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

hat sich zur Zeit ver Prediger Andrae schr verdient gemacht. Die An- 
stalt hat nämlich einen Seelsorger und eine Kirche und es wird sonntäglich, 
wie auch Morgens und Abends Gottesdienst gehalten. Noch ist ver Name, 
welchen die Berliner vem Hause geben, zu erklären. Tie nennen es den 
Ochsenkoyr,- ohne daß irgend Etwas in seinem jetzigen 'dustande zu dieser 
Venennuvw * “rechtigte. Dieselbe erinnert an die frühere (Geschichte der An- 
stalt; diese befand sich nämlich seit ihrem ersten Entstehen in einem Hause auf 
vem Rondel, dem jeßigen Nelle-Alliance-Plaße , das der Schlächterinnung 
gehörte und zum Schlachthauye diente. Dieses führte als Zeichen einen 
Ochsenkopf, wonac< das Haus selbst benannt wurde, und ist dieser Name 
auf das neue Haus übertragen worden. 
Gegen die Thore hin finden wir in der Königstadt mehrere große Ctablisse- 
ments , welche. den Viehhändlern interimistische Stallung für die Heerden 
bieten, die sie zum Verkaufe nach Berlin bringen. 
Gehen wir die Alexanderstraße vom Plaße nordwestlich bis über die kleine 
Alexanderstraße hinaus, so gelangen wir in die Münzstraße und damit schon in 
die Spandauer Vorstadt. Dort trafen wir noch vor Kurzem gleich rechts 
ein „von der Straße zurücktretendes stattliches Haus an, in dessen einem 
Seitenflügel. sich gegenwärtig noch die königliche lithographische Anstalt be- 
findet. Weiter hinten liegt ein prächtiger Garten mit einem kleinen Teich. 
Beide legte im Jahre 1735 der General von Sydow an und erbaute davor 
vas schöne Wohnhaus mit zwei Flügeln. Nach ihm bewohnte dasselbe der 
Graf Neale und später der Staats-Minister Freiherr von Zedlitz; jezt 
wird ein neues Königstädtisches Theater daselbst errichtet. 
Zwischen der Dragoner - und Grenadierstraße steht in der Münzstraße 
ein Wachtgebäude, ver Ziegenbo> genannt, bei welchem am 20. Februar 1813 
ein scharfes Gefecht zwischen der französischen Wachtmannschaft und heran- 
sprengenden Kosaken stattfand. Der alten Münze, welche dieser Wache 
gegenüber lag,- ist früher schon gedacht worden. 
Zu einem schönern Theile der Spandauer Vorstadt gelangen wir über 
vie Herkulesbrücke. Der prächtige Bau derselben zeigt auf der Brustwehr 
zu beiden Seiten diesen Heroen in zweien seiner gewaltigsten Arbeiten, wie 
er nämlich einen Centauren tödtet und den nemeischen Löwen zerreißt. Das 
Volk nennt übrigens diese Brücke auch Simsonsbrücke, weil ihm der heid- 
nische Name anstößig sein mag. Links von derselben ist in neuerer Zeit 
am Wasser ein großes Speichergebäude errichtet. An ven Vorbder- 
gebäuden vesselben vorüber und durch die kleine Präsiventenstraße, kommen 
wir auf den Monbijouplaß, an dessen nordwestlicher Seite wir Schloß und 
Garten Monbisfou näher zu betrachten haben, als es schon früher. in 
Kürze geschehen ist. 
Den Platz dort erhielt die Kurfürstin Louise Henriette von ihrem -Ge- 
mahl , dem großen Kurfürsten, im Jahre 1657 geschenkt und legte eine 
Meierei darauf an, deren Territorium später sehr ausgedehnt. ward. Ihre 
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