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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

schöne Dekorationen, Opernpartituren u. s. w. gingen zu Grunde. Das 
jetzige Schauspielhaus wurde darauf vom Baumeister Schinkel erbaut, 
Er benußte dabei einen Theil der alten Mauern, mußte aber die trau- 
rige Erfahrung machen, daß eine derselben einstürzte und sieben Arbeiter 
ers<lug. Als das Haus, das wiederum ein Theater und einen schönen 
Concertsaal enthält, fertig war, machte man die Bemerkung, daß ver Schau- 
spielsaal sehr klein gerathen sei und sagte, es sei auf dem Gensvarmenmarkt 
ein neues Vergnügungslokal errichtet, man habe auch versucht, ein kleines 
Theater darin anzubringen. Das Haus gehört jedoch zu den herrlichsten 
Prachtgebäuden Berlins. Nach dem Markte hin schmückt es eine schöne 
jonische Säulenhalle, zu ver eine Freitreppe hinaufführt. Auf dem Frontispice 
jener, so wie auf dem nördlichen und südlichen Giebel des Hauses stehen 
Bilder der Musen; auf ver obersten Dachfirste nac) dem Markte zu, die 
Bildsäule des Apollo auf einem Wagen, der von zwei Greifen-gezogen wird; 
nach der Charlottenstraße hin das Bild des Vegasus. Die Wangen der 
Freitreppe sind mit Broncegruppen von Tie> geziert: die eine stellt einen 
Löwen, vie andere einen Panther dar; auf jenem sitt ein Genius , der die 
Doppelflöte bläst, auf diesem ein anderer, welcher die Zither spielt. Die 
Verliner nennen Jenen den invaliden Flötenspiel»r und ven Andern den 
blinden Leiermann, reden auch wohl, wenn ste die Thiere erblicken, von den 
gräulichen Kaen aus Schiller's „Handschuh“. Das Haus trägt die In- 
schrift: Fridericus Guilelmus II. theatrum et odeum incendio consumta, 
majore cultu restituit MDCCOXXI. 
Die Wilhelmstraße zeigt uns namentlich auf der Strecke von den Linden 
bis zur Leipzigerstraße eine Reihe von Palästen, die meist unter Friedrich 
Wilhelm I. und Friedrich dem Großen erbaut sind. Zo finden wir von den 
Linden aus auf ver rechten Seite, das Valais des 'rinzen Friedrich, 
Nr. 72, ursprünglich von vem Yräsidenten von ' örne erbaut; Nr. 73 
einen Palast, den der General-Lieutenant von HPYwerin aufführte, der 
aber seit längerer zeit dor Familie ves Vuchhändlers Neimer gehört; 
Nr. 74 ist das Staats-Ministerium; .?r. 75 die Decker'sche Geheime 
Ober -Hofbuchdruereiz ?xr. 76 das Ministerium der auswärtigen 
Angelegenheiten, wo jett Se. Ercellenz der Herr Minister-Präsident 
von Manteuffel wohnt; Nr. 77 das Palais ves Fürsten Radziwill; 
Nr. 78 das des Präsidenten von Voß und Qr. 79 jeßt vas Handels- 
Ministerium und Wohnung ves Herrn Ministers von der Heydt; 
vor Kurzem noch war dort die königliche Golv- und Silbermanufactur. 
Auf ver andern Seite liegen noch unter Nr. 65 das ehemalige Palais 
ves Prinzen August von Preußen, jetzt das Justiz- Ministerium, und. an 
ver Ee ves Wilhelms-Platzes das YZalais Sr. königl. Hoheit ves 
Prinzen Karl, zweiten Bruders Sr. Majestät ves Königs. Dieses Haus 
hieß früher vas Ordenspalais , „weil. der Heermeister des Johanniterordens 
in Preußen, Prinz Ferdinand, Bruder Friedrich ves Großen, darin wohnte. Cs
	        
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