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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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sind die Vordergebäude nach einem Brande im Jahre 1745 neu aufgeführt. 
Im oberen Sto>werk befinden sich Räume zu wissenschaftlichen Sitzungen 
und große Säle, in welchen alle zwei Jahre eine öffentliche Ausstellung von 
Werken der bildenden Kunst stattfindet. Die unteren Räume dienen zu 
Arbeitssälen für Zeichen-, Maler- und Bildhauerschulen. In der Doro» 
theenstraße erhebt sich ein hoher, viere>iger Thurm, welcher sonst die Stern- 
warte enthielt, bis eine solche mit überaus zweckmäßigen Einrichtungen, aber 
auch großen Kosten am südlichen Ende der Charlottenstraße. neu erbaut 
wurde. Auf jenem Thurme stand auch der optische Telegraph, der durch die 
Erfindung des electro=magnetischen unnüß geworden. 
An derselben Seite der Linden ist no< unter Nr. 73 das Ministerium 
ves Innern, unter der Nr. 74 die Ingenieur- und Artillerie- 
Schule auszuzeichnen. 
Auf der andern Seite liegt an der E>e des Pariser Plaßes ver von 
Revdern'sche Valast. Nr. 4 ist vas Ministerium ver geistlichen 
Angelegenheiten. Nr. 7 kaufte Se. Majestät der Kaiser Nikolaus von 
Rußland und wurde dadurch Bürger von Berlin, worauf der hiesige Ma- 
gistrat demselben einen prächtig geschriebenen und verzierten Bürgerbrief 
übersandte. Dafür schenkte der Kaiser 5000 Dukaten an die Stadt, womit 
das Nikolaus-Hospital gegründet wurde. In dem gedachten Hause wohnt 
der Russische Gesandte. 
Außer mehreren bedeutenden Gasthöfen liegt an dieser Seite der Linven 
unter Nr. 36 das Niederländische Palais, jezt vem Prinzen Friedrich 
der Niederlande gehörig; unter Nr. 37 vas Palais Sr. Königl. Hoheit 
des Prinzen von Preußen. Am 20. März des Jahres 1848 wollte ein 
wilder Volkshaufe diesen Palast stürmen und es erschien als eine von der 
Noth obotene Maßregel, das Wort National-Cigenthum daran zu schreiben. 
Wie beschämt mußten sich die Urheber solcher Frevel fühlen, als der Prinz 
nach stegreicher Unterdrückung des Aufstandes in Baden am 12. October 1849 
in dieses sein Haus unter dem Zujauchzen des Volkes wieder einzog. 
Im nördlichen Theile der Dorotheenstadt, an ver Weidenvammer Brücke, 
finden wir in der Friedrichstraße unter 2?r. 140 'c. einige ausgezeichnete 
Häuser, sonst die Georgeschen Häuser genannt. Tie dienen vem medicinisch- 
<hHirurgischen Friedrich-Wilhelms-Institut, der sogenannten Pepi- 
nidre, in welcher auf Kosten des Staates Militair-Aerzte gebildet werden. 
In der Nähe befindet sich auch der Circus für Reitkünste von Renz. 
Viele Prachtgebäude hat die Friedrichsstadt; doch suchen wir uns 
nur die vorzüglichsten "aus und betreten deshalb zunächst den Gensvarmen- 
markt. Da finden wir an der nördlichen Eke der Jägerstraße das Lotterie- 
gebäuve, von dessen Balkon sonst vie gezogenen Nummern der Zahlenlotterie 
öffentlich vor dem auf vem Plate versammelten Volke unter Pauken- und 
Trompetenschall ausgerufen wurden. An der gegenüber liegenden Ee der 
Jägerstraße liegt vie königl. Seehandlung. Das Institut, welchem dies
	        
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