Path:
Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

- 44 
bäudes, welche das ganze Gesims über den Säulen ausfüllt, lautet: Fride- 
ricus Guilelmus Il. Studio 'antiquitatis omnigenae et artium liberalium 
museum constituit anno MDCCCXXVINT, Auf ver linfen Wange der 
großen Freitreppe, welche zur Halle führt, sehen wir ein ehernes Bildwerk, 
vie Amazonengruvye von Kiß. Eine kolossale, unbekleidete weibliche Figur 
mit einer phrogischen Müße sitzt auf einem ungesattelten Nosse und schwingt 
ven Speer « ven einen Tiger, der sich an den Hals des Vferdes gehängt 
hat. Das Wobdell ves Kunstwerkes erregte zu seiner eit eine solche Be- 
wunderuna , daß ein Verein reicher Leute, die höchsten Personen an seiner 
Spiße, da3 “ld zur Ausführung >esselben in Erz zusammenbrachte. Unter 
ver Halle st“ t rechts vom Eingange die Marmorstatue des Erbauers S< inkel 
von vem Vildhauer. Tie, auf dem oberen Absazz dor inneren Treppe eine 
in Erz gegossene Vase nach antikem Vorbilde, die "ogenannte Warwikvase, 
veren Original sich in England im Besiz des Grafen Warwik befindet. 
Hinter diesem Museum erhebt sich ein ungeheures neues, im Inneren 
und Aeußeren noch nicht ganz fertiges, Gebäude, das gleichfalls zum Museum 
bestimmt ist. Es werden bereits in den Mittagsstunden gegen ein kleines 
Eintritt8geld Vesucher in dasselbe“ eingelassen, welche die höchst sinnreiche 
Aufstellung von ägyptischen und deutschen Alterthümern im unteren Geschoß, 
so wie von Gipsabgüssen griechischer Bildwerke in den oberen Räumen, die 
wie die unteren sämmtlich auf das Reichste und Angemessenste decorirt und 
ausgestattet sind, ferner die großen -Freskobilder von Kaulbach im Treppen- 
hause nicht genug zu rühmen wissen. 
Im südöstlichen und nördlichen Theile unsers Alt- Kölln finden wir 
noc< (Gebäude, welche vem Zwecke des Handels dienen. So liegt nahe 
der Inselbrüke das Inselgebäude, ein großer Speicher für Waaren 
der mannigfaltigsten Art, dagegen unfern der neuen Friedrichsbrücke, am 
westlichen Ufer >>3 rechten Spreearms, nördlich vom Dome und nahe beim 
Museum, Lie Bör ;- mit einer Säulenhalle und einem umgitterten Vorplate, 
welchen Blatanen überschatten. Dort sieht man des Mittags bei gutem 
Wetter die Herren von der Verliner Kaufmannschaft versammelt. Im Innern 
ves Hauses findet sich ein schöner, zwei Sto>werk hoher Saal, der mit mar- 
mornen Reliefs von Schadow geschmückt ist. Der ganze Bau ist übrigens 
nicht sehr geschickt gerathen und will daher die Berliner Kaufmannschaft sich 
eine neue Börse bauen, weiß aber noch nicht, wo. Geld genug wäre dazu 
vorhanden. 
Am rechten Ufer ves Kupfergrabens bis zur Mehlbrücke liegt gegen» 
wärtig der Pa>hof. Ts gehören dazu drei große Häuser, davon das eine 
an der eisernen Brücke hohen Finanzbeamten zur Wohnung dient; vas mitt» 
sere enthält vie Büreaus der Packhofsverwaltung, das dritte in ver Nähe ves 
Mehlhauses ist ein großer Speicher. Zwischen ihm und jenem Verwaltungs- 
gebäude liegen dicht am Wasser große Waarenhallen und mehrere Krahne 
von neuerer Erfindung zum Heraufwinden ver Waaren aus ven Schiffs-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.