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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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selben , der sonntäglich dreimal gehalten wird, erfreut sich zahlreichen Be» 
suches und die Vereinsthätigkeit, welche für Seelsorge und Armenpflege von 
der Kirche ausgeht, ist für das übrige Berlin fast vorbildlich geworden. 
Paläste und öffentlihe Gebäude. 
Alt-Berlin enthält kein Haus, das ven Namen eines Palastes ver» 
dient; wohl möchte manches vor Zeiten so haben genannt werden können, 
vas jezt sich von einem vornehmen Bürgerhause nicht unterscheidet. Das 
erste ver öffentlichen Gebäude ist die Stadtvoigtei auf vem Molkenmarkte 
Nr. 1 und *. In den Hintergebäuden befinden sich seit 1791 die Stadts 
gefänanisse; von ven Vorderhäusern dient Nr. 1 dem Polizei-Präsidenten 
zur Mahnung, alles von ihm nicht benub*e, auch in Nr. 2, zu Bureaus 
boy roigerwaltung. Der jekiae Volizei-Präsident ist der Herr von 
“ ?ev" 'r<; sein hocverdienter Vorgänger war der Herr von 
Iv bey. Zwischen der Stadtvoigtei und vem Mühlendamm lag früher 
das "genannte Amt Mühlenhof, Von der zweiten Hälfte des 15. Jahr- 
hunderts wur* > "ort Vrauerei, Viehmast, Schlächterei und Bäckerei für den 
Hof betrieben; “äter blieb nur noc< ein Büreau für Verwaltung königlicher 
Rentei-Aemter vort. Das Haus an ver abgerundeten E>e der Poststraße 
und ves Mühlendamms hieß sonst das “yhraimsche, weil es ein jüdischer 
Kaufmann dieses Namens im Jahre 1772 erbaut hat; jetzt ist es stattlich 
erneuert und dient zu polizeilichen Iwecken, namentlich zum Paßbüreau. 
An der Spandauer - und önigsstraßen-E>e liegt das Berlinische 
Nathhaus, das früher einen Thurm Hatte, dessen Spitze aber schon vor 
länger als 80 Jahren abgetragen wurde, während der untere Theil, der in die 
Königsstraße vorsprang und dieselbe sehr verengte, noch bis zum Jahre 1840 
stand, wo er auf Wunsch König Friedrich Wilhelms IV. abgerissen ward. 
Ein Nathhaus hat von Alters her an diesem Plaße gestanden; aber von den 
jetzt vort befindlichen Gebäuden rührt nur erstens dasjenige von zwei ganzen 
und zwei halben Fenstern Breite, welches am Ostende in der Königsstraße 
mit tiefem, höhlenartigen Thorweae liegt, aus älterer Zeit her, nämlich ver- 
muthlich vom Jahre 1448, over, 9a 1484 eine Feuersbrunst das Nathhaus 
zerstörte, aus ven gleich darauf * Tsgenden Jahren, wie venn die Steinmeß- 
verzierungen an den Kragsteinen über vem Thorwege auf ein solches Alter 
beuten. Aus verselben Zeit stammt zweitens ver kleine, innen gewölbte 
Vorbau an ver “ pandauerstraßen-E>e. An diesem befindet sich unter der Be- 
vachung des füblichen Strebepfeilers ein eigenthümliches altes steinernes Bilb- 
werk, eine Art Eule mit menschlichem Angesicht und Esel8ohren. Dies ist der 
Kaak, unter welchem sonst Verbrecher am Pranger standen. Zur Seite hingen 
noch vor einigen Jahren unten "an ver-Wand Halseisen an Ketten. Die beiven 
langen Fronten an der Königs- und Spandauerstraße, sind im Jahre 1698 auf- 
geführt. Der Magistrat hält seine Sißungen in einem großen Saale, ver
	        
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