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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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geseßt worden war, so durfte dieser Name nicht bestehen und die Kirche beißt 
denn jekt abwechselnd bald Louisenstadt- , bald Sebastians-Kirche. Sie hat 
über 99 Jahre der immer wachsenden Vorstadt - Gemeinde zu gottesdienst- 
lichen Dersammlungen gedient. Gegen Ende dieser Zeit aber erschien dem 
damaligen dortigen Prediger, jezigen Consistorialrath Bachmann, die Zahl 
ver Kirc<hfinder zu übermäßig groß, als daß Eine Parochie sie ferner sollte 
fassen, und Ein Ministerium mit Seelsorge versehen können ; daher war es 
sein Streben, einen Theil ver Gemeinde abzuzweigen und eine neue Kirche 
für denselben zu gründen. Mit Gottes und guter Menschen Hülfe, ins8- 
besondere aber durch Beihülfe Sr. Majestät des .jeßt regierenden Königs 
ist es ihm denn auch gelungen, den Bau der St. Jacobi-Kirc<e an 
ver Westseite der Oranienstraße, gegen das Köpnicker Feld hin, zu Stande 
zu bringen. Das Gotteshaus, im Styl einer Basilika, ist in den Jahren 1843 
bis 1845 aufgeführt. Vor dem Eingange an der großen Giebelwand be- 
findet sich ein Kreuzgang .um einen Masenfle>, auf welchem die Statue des 
Apostels Jacobus des Jüngern aus Zinkguß steht. Der Thurm erbebt 
sich neben der Kirche im Styl eines italienischen Campanile zu beträcht- 
licher Höhe. 
No< wird gegenwärtig in ver Köpni>er Vorstadt, am Ende der Schäfer- 
gasse und in der Nähe des zweiten Bassins jenes Grabens, der aus dem 
Schifffahrtskanal nach der Spree führt, eine prächtige neue katholische Kirche 
erbauet, welche in ver nächsten Zeit vollendet sein und ihren Namen von 
vem Erzengel Michael erhalten wird. Süblich von derselben liegt das große 
Krankenhaus Bethanien, in welchem sich auch eine Kirche befindet, die von 
umwohnenden evangelischen Christen besucht werden kann. Westlich von der 
Michaelis-Kirche entsteht ferner ein Gotteshaus , das die altlutherische Ge- 
meinde sich erbaut. 
Endlich gehört zur Louisenstadt, in der Kommandantenstraße, nahe der 
Lindenstraße, ein Kirchlein, vas für vie französische Gemeinde im Jahre 1727 
erbaut ist. Es lagen an der Stelle damals noch Gärten und Scheunen, 
vderen eine im Jahre 1700 ver kurfürstl. Amtsrath Merian den einge- 
wanderten französischen Flüchtlingen schenkte, welche um der Neligion willen 
verfolat, nach Aufhebung des Edict8 von Nantes ihr Vaterland hatten ver- 
lassen müssen. Da zur französischen Gemeinde auch Wallonen gehörten, soll 
vie Kirche Wallonenkirche heißen ;. das Volk nennt sie aber, vielleicht mit 
größerem Nechte, auch Melonenkirche, weil jene Einwanderer zuerst in Berlin 
die feinere Gartenkunst übten und vie hier noc< nicht bekannten Melonen 
bauten. 
Zur Anhaltischen Vorstadt im weitern Sinne gehören auch vie Straßen 
hinter dem Thiergarten, und vort steht die Matthäi- Kir<e, durch die Bei- 
träge wohlhabender Einwohner jener Gegend vor etwa 2 Jahren erbaut, 
Sie besteht aus einem Mittel- und zwei Seitenschiffen mit einer Altarnische, 
Der Thurm ist durchbrochen und zierlich erbaut; 'der- Gottesdienst in der-
	        
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