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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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Behange, darauf Crueifix und Leuchter von" Goldbronce. Man gelangt 
zu dem Altar auf marmornen Stufen und die Wände umher sind mit vio- 
letten Vorhängen, woran goldene Verzierungen, bekleidet; auch hängen 
vort die Brustbilder der Apostel Petrus und Paulus, jenes ein sehr fost- 
bares *"ofaikbild, welches Papst Pius VII. dem Könige Friedrich Wil- 
helm I. schenkte, dieses von Begas gemalt, von dem auch das jezt hoch 
über dem Altar, zwischen zwei Säulen schwebende Bild, die Ausgießung 
des heiligen Geistes, herrührt. Vor den Stufen des Altars steht ein 
sc<öner Taufstein von weißem Marmor mit den Bildern der vier Evangelisten 
geschmückt, und der ganze heilige Raum ist durc ein schweres Gitter 
von Golvbronce, das die Statuetten ver zwölf Apostel nach Vischer ent- 
hält, von der Übrigen Kirche geschieden. Dieser gesammte Schmuck rührt 
aus dem Jahre 1817 her, wo die Kirche zur Feier ves 300jährigen Refor- 
mationsfestes vom Könige damit ausgestattet wurde. Die hier abgehaltenen 
Gottesdienste werden durch die Gesänge ves Domc<hors verschönert, welchen 
Se. Majestät, der jetzige König, gegründet und der sich durch seine Leistungen 
bereits einen europäischen Ruhm erworben hat; sein Direktor heißt Neid- 
hardt. Die Dom-Kirche ist seit Anfang ver Regierung unseres jeßigen 
Königs mit großartigen Neubauten umgeben, die leiber vom Jahre 1848 ab 
nicht haben fortgeführt werden können, und deren Anblick fast befürchten 
läßt, daß sie in Trümmer zerfallen werden; nur der Begräbnißbau im 
Norven ver Kirche wird durch Malereien im Innern, wie man hört, weiter 
geführt; es soll ein Campo santo werven, wie sich solches in Pisa befindet. 
Der Werder hat zwei Kirchen, die nach ihm genannte und die kleine 
St. Gertraudten-Kapelle am Ostende der Leipzigerstraße. Sie heißt be- 
kanntlich auch Spittel-Kirc<he, weil s'? zu vem dabei liegenden Hospital für 
alte Männer und Frauen gehört. Dieses ist mit der Kapelle bereits im 
Jahre 1401 gegründet und beide lagen damals an derselben Stelle schon 
außerhalb dor Stadt. Das Kirchlein hatte bis noch vor etwa 20 Jahren 
einen kleinen Thurm, der seitdem abgerissen wurde. 
Norbw-“""ch vom Werderschen Markte stand bis zum Jahre 1699 ein 
kurfürstliches öteithaus, welches in zwei Kirchenräume für die deutsche und 
französtsche Werderscye Gemeinde verwandelt ward; erst im Jahre 1823 hat 
König Friedrich Wilhelm Il. die jetzige prachtvolle Kirche im gotbischen 
Styl durch ven Baumeister Schinkel aufführen lassen. Die französische 
Gemeinde hat auf ihren Antheil daran verzichtet, und 28 wird darin nur 
veutsch=evangelischer Gottesdienst gehalten. Was das Aeußere der Kirche 
betrifft, so sind ihre Seitenwände 86 Fuß hoch, der hohe Chor ist hinten 
abgerundet; gegen ven Markt hin erheben sich zwei abgestumpfte Thürme 
in ver Höhe von 137 Fuß. Ueber vem doppelten Eingangsportale steht 
man die Statue ves Erzengels Michael, ver ven Drachen töbtet. Er ist, 
wie andere außerhalb angebrachte Zierrathen, von gebranntem Thon. Das
	        
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