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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

32. 
einem Hospital, dessen Gebäude in einer no<'" späteren Zeit der Magistrat 
hat niederreißen lassen, um an seiner Stelle ein gewöhnliches Wohnhaus 
aufzuführen. Auf einem hintern Hofe wohnen noc< alte Frauen und Männer, 
für welche die Stadt sorgt. Der ehemalige Kirc<hof und der Garten hinter 
vem Hospital sind längst verschwunden und nur noch eine kleine Parcelle 
von diesem zur Seite des prächtigen Wohnhauses vorhanden, auf welches die 
Heilige Geiststraße an ihrem nördlichen Ende stößt. Jedoch befindet. sich 
bavor no< ein geräumiger Plaß, der durch ein eisernes Gitter von der 
Heiligen Geistgasse getrennt ist. 
Vier andere Pfarrkirchen, die noc< zu Berlin gehören, sind neueren 
Urspruna3. 
Die Paroc<hial-Kir<e in der Klosterstraße, süblich von der Kloster- 
Kirche, führt ihren Namen ziemlich mit Unrecht, denn sie hat eigentlich 
keine Parochie, d. h. es ist kein Sprengel von umherwohnenden Einwohnern 
bei ihr eingepfarrt. Sie ist vielmehr für diejenigen reformirten Familien 
Verlins erbaut, welche zu weit vom Dom entfernt wohnten, um sein Glo>en- 
geläut hören zu können. Ihr Grundstein wurde am 15. August 1695 im 
Veisein des Kurfürsten Friedrich Ill. gelegt, der als König im Jahre 1703 
am 8. Juli auch der Einweihung beiwohnte. Die Kirche ist in Form eines 
griechischen Kreuz?3 gebaut, das Innere sehr einfach gehalten; der Thurm 
aber gereicht zur Zierde der Stadt und enthält in seinem mittleren, durch- 
brochenen Theile ein recht vollständiges Glockenspiel, von ven Berlinern 
Singubr genannt. Dasselbe spielt zur vollen Stunde zwei Thoralverse mit 
Vorspiel, zur halben Stunde einen einfachen Vers. Die Melovdieen wech- 
seln monatlich. An kirchlichen Festtagen und am Geburtstage des Königs 
spielt ein Stadtmustkant vermittelst einer Tastatur auf diesem Glockenspiel 
Festlieder und Variationen. Hinter der Kirche befindet sich ein kleiner 
Kirchhof, auf welchem noc< zuweilen begraben wird, wiewohl sonst Beerdi- 
gungen in der Stadt verboten sind. 
Gegenüber vem nördlichen Ende der Spandauerstraße liegt in der neuen 
Friedrichstraße die evangelische Garnison-Kir<e, durc< eine Baum- 
reihe von der Straße geschieden. An derselben Stelle stand zwischen Festungs- 
werken vom Jahre 1701-1720 vas erste Gotteshaus für die Verliner Garnison. 
Es wurde im l““genannten Jahre durch das Auffliegen eines gegenüber- 
liegenden Vulverthurms zerstört, und vom Jahre 1722 das jehige sehr um- 
fangreiche Kirchengebäude ohne Thurm aufgeführt. Bei der Einweihung 
legte der Geistliche seiner Predigt die Worte aus dem Buche Esra 3712; 
welche von der Einweihung des zweiten Tempels zu Jerusalem reden, als 
Text zum Grunde: „Viele, die das alte Haus gesehen hatten, weineten laut; 
Viele aber töneten mit Freuden“. Das Innere der Kirche ist in dorischem 
Style einfach gehalten, eine berühmte Orgel von Wagner darin, welcher 
Cimbelstern-, Trompeten- und Posaunenregister , selbst Pauken nicht fehlen, 
die von mechanisch in Bewegung gesezten Armen "geschlagen werden. Mit
	        
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