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Geographie

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

Rode, einer Kreuzabnahme/ Christus am Oelberge und Thomas"zu ven 
Füßen des Heilands, mehrere schöne Grabdenkmäler. Vor vem Altar steht 
ein Taufstein aus Ez aus dem Jahre 1434 mit den Bildern. der Maria 
und der zwölf Apostel. Die marmorne Kanzel ist vom Baumeister S <lüter, 
der zur Zeit König Friedrichs 1. lebte, erbaut. Es wird die Kühnheit be- 
wundert, womit der Architekt einen Pfeiler der Kirc<e durchbrochen und vier 
Marmorsäulen, vurch welche die Kanzeltreppe führt, vem oberen Theile desselben 
unterstellt hat. Neben der Kanzel stehen zwei Engelstatuen aus Marmor, 
hinter derselben befindet sich auf vem Chore an ver Wand ein großes Fresko- 
Bild, das den in Athen predigenden Apostel Paulus darstellt. Es ist gleich- 
falls von-Ttobde; die bedeutende Orgel von Wagner. Um ihre innere 
Vervollständigung hat sich ver Bischof Ritschl, vor 30 Jahren ein sehr be- 
liebter Vrediger an Ct. Marien, da sie durc; das Simplificationssystem ves 
Abtes Vogler sehr gelitten hatte, verdient gemacht. Seit eben jv langer 
Zeit wird vieselbs von vem Organisten und Mustkdirektor A. W. Bach 
trefflich gespielt. "er gegenwärtige innere Ausbau der Kirche rührt, so wie 
jener der ikolar- Kirche vom Jahre 1817 her. Der Thurm hat nach er- 
littenem BrandsHaden , in den Jahren 1663-1666 einen Neubau erfahren; 
der oberste The:l aber, welcher ihn jezt zum höchsten und schönsten von 
Berlin macht, ijt erst im Jahre 1790 von vem Baumeister Langhans 
ausgeführt. Tx ganze Thurm hat drei Gallerien und ist bis zur Spitze 
des Kreuzes 275 Fuß, 3 Zoll hoch. 
Die Altstadt Berlin hat zunächst noc< zwei Kirchen aus älterer Zeit, 
die aber nie Pfarrkirchen waren. Die eine ist die des ehemaligen Franzis- 
kaner= »%2x Grauen-Klosters, in der nach diesem benannten Straße. Das 
noch stehende, vor etwa 10 Jahren vollstäntig' erneuerte, Gebäude ist das 
älteste von Verlin, Es ist im reinsten gothischen Styl, vom Jahr 1290 
ab, erbaut, mit einem: hohen Schiff, das die Seitengänge bei Weitem über- 
ragt und auf schweren gemauerten Pfeilern ruht. Der hohe Chor nimmt 
fast ein Drittel des ganzen Kirchenraumes ein. Dort befanden sich vie 
Size für-die geistlichen Würdenträger, die noch angedeutet sind. Der frühere 
Altar und te noch stehende Kanzel sind von altem Holzschnizwerk. Auf 
ver Schalldecke der letzteren ist ein Pelikan abgebildet, der nach der Fabel 
sich die Brust aufreißt, um die Jungen mit seinem Blute zu nähren. So 
ist er ein Sinnbild des Heilandes, der die Welt mit seinem Blute erlöst hat. 
Der Kirchhof ist in einen Garten verwandelt. Zur Kirche führen Stufen 
hinab, da im Laufe ver Jahrhunderte der Straßendamm bedeutend erhöht 
worden 1,:. Don ihm trennt den ganzen heiligen Naum eine Säulenhalle, 
welche König Friedrich Wilhelm IV. hat aufbauen lassen. 
Die Heilige Geist-Kirc<he liegt am Anfange der Spandauerstraße 
rechts vom Damme; auch ste verräth durch ihren Baustyl ein hohes Alter, enthält 
indeß weiter keine Merkwürdigkeiten. Früher hatte sie gegen Westen einen 
Thurm, der vor etwa 40 Jahren: abgetragen worden ist. Sie gehörte zu
	        
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