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Die Umgegend

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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und Herbst zu Manövern, in der leztern Jahreszeit aber auch zu ven' jähr- 
lichen Pferderennen benußt wird. 
Das Dorf Tempelhof ist unter den Dörfern ver Mark eines der ältesten 
und für Tie Heimathsfunde von mehrfacher Bedeutung. Schon der Name 
ist streitig. mn der ältesten Urkunde vom Jahre 1247 heißt es Templo, in 
einer folgenden vom Jahre 1290 Tempelhof, später auch Tempelhovez die 
Verliner sagen Templow. Nach der Endung dieses lezten Namens wäre 
ver Ort wendischen Ursprungs; aber der amtliche Gebrauch der Benennung 
Tempelhof sezt voraus, daß Tempelherrn ihn gegründet haben. Geschichtlich 
ist von fiesen bei unserm Dorfe nirgend die Rede, denn die beiden gedachten 
Urkunden aus der Zeit, in welcher ver Orden noch bestand, erwähnen seiner 
nicht. Die zweite, deren Hauptinhalt auch :an einer Wand der Klosterkirche 
zu lefen ist, besagt, daß ein Ritter „Jakob von Vybede“ eine Ziegelei und 
dazu ahörigen Lehmacker zwischen Tempelhof und Berlin den granen Brüdern 
des Klosters daselbst zum Bau einer Kirche geschenkt habe. Im vierzehnten 
Jahrhundert finden wir im Dorfe eine Comthurei ves Johanniterordens, 
deren in mehreren Urkunden Erwähnung geschieht, wie denn auch der Besitz 
von Tempelhof und seiner Toldmark durch den lektgenannten Orden aus der 
Benennuy3 - "ohannistisch“ hervorgeht, welchen der gedachte Platz links 
vom Halleschen Thore bis auf den heutigen Tag führt. “Es müssen dort 
Aecker aelegen haben, von deren Frucht die genannten geistlichen Herren ihren 
Lisch versorgten. Nun hat freilich das Dorf nach. den ersten beiden Urkunden 
lano2 vor der Besißergreifung durch die Johanniter bestanden; auch rührt 
vie Hirche vermuthlich aus den ersten Zeiten des dreizehnten Jahrhunderis 
herz denn die kantig behauenen Granitsteine, aus welchen ihre Mauern be- 
stehen , aehören zu dem ältesten Baumaterial ver Mark und finden sich in 
Berlin nur an vem ersten Grundbau ver Nicolaikirche, welcher aus der an- 
gegebenen "it herrührt. 73 vevurfte aber nicht. der Tempelherren zur 
Gründung ** hristenthums nei uns, sondern vieselben sind nur zur Be- 
schirmung <hristlicher Ortschaften *gen die nach Osten verdrängten heidni- 
schen Wenden während des 13. *ahrhunderts besonders in ven Lebuser Kreis 
berufen worden. 78 ist jedoch richtig; daß die Johanniter Erben ver Güter 
geworden sind, welche ver Tempelherren-Orden besaß, als dieser im Jahre 1308 
vurch >18 sSoneil zu Vienne aufgehoben wurde. Und so bleibt es venn 
fragli 1. 79 ver Comthur der Johanniter, der in der ersten Hälfte ves vier- 
zehnten Jahrhunderts Tempell9f inne hatte, das Freigut daselbst von der 
weltlichen Grundherrschaft erhielt oder als Nachfolger ver Tempelherren über- 
kam. Zu Anfang ves 15. Jahrhunderts entstand Streit zwischen den geist- 
lichen Herren zu Tempelhof und den Städten Verlin und Kölln. Es wurde 
einem der Comthure nachgesagt, daß er ein kleines Mädchen aus der Stad! 
sic) zu schmählichem Mißbrauch habe zuführen lassen. Auc<h mag man über 
die Grenzen uneinig geworden sein; daher suchten die Städte ver geiftlichen 
Nachbarschaft ledig zu werden und kauften das Gut bei Tempelhof nebst der
	        
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