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Die Umgegend

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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wohnte hier der gefangene König Friedrich August v. Sachsen, und seit 1815 
ist das Rittergut der Familie von Treskow verkauft. Der Bezirk des 
Schlosses wird als ein eigenthümlicher Besitzstand von 257 Morgen be- 
trachtet, von denen 100 Morgen den schönen Park bilden. Der Vesuch von 
Friedrichsfelde gilt für unsere Städter schon als Landpartie, wozu besondere 
Vorkehrungen nöthig sind. 
Selien wird von Berlinern das 4 Meile weiter entfernte Dorf Bies- 
dorf an der Frankfurier Chaussee besucht. Es heißt im Landbuche des 
Kaisers Karl IV. vom Jahre 1375 Vistertorp und hatte damals 70 Hufen. 
Zu ihm gehört ein Rittergut, das sehr verschiedene Besitzer gehabt hat und 
jezt das Eigenihum des Freiherrn von Rürleben ist. Das Dorf hat eine 
Mutterkirche, 41 Wohnhäuser, 9 Bauern, 6 Kossäthen, 87 andere Familien 
und zusammen 563 Einwohner. 
Rechts vom Frankfurter Wege gelangen wir hinter dem Schlößchen zu 
vem in ältester Zeit bereits ver Stadt gehörigen Vorwerke Bo>shagen, 
auch Burhagen und Bogshagen geschrieben. Die letztere Schreibung soll 
andeuten, daß vori zur Wendenzeit ein Gögze verehrt wurde. Jet bestebt 
der Ort aus ungefähr 16 Häusern mit einer Meierei, die früher städiisch 
verwaltet wurde, seit 1783 aber in Erbpacht gethan ist. 
Weiter südlich liegt am gleichnamigen See die Colonie Rummels- 
burg. Im Jahre 1669 legte der Magistrat hier eine Ziegelei an, die aber 
wegen Mangel an Material bald wieder einging, worauf ein Bürger, Namens 
Rücker, ein Wohnhaus und Garten dort einrichtete. Diese Besizung über- 
fam später tr Weinhändler Nummel, von welchem ver Ort seinen Namen 
hat. In den Jahren 1766--1778 gab ver Magistrat dort no< einige Lände- 
reien in Erbpacht, woraus sich eine Colonie bildete. 1853 hat der Polizei- 
präsident v. Hinkeldey einen Theil des Landes angekauft, um gemeinnüßige 
Etablissements anzulegen; zugleich erbaut die Stadt dort nach den Ideen des 
Stadischulrat5 Fürbringer ein Waisenhaus. 
Oberhalb Berlins an der Spree, 4 Meile entfernt, liegt das alte 
Fischerdorf Stralau. Es bestand, als .es im Jahre 1358 in den Besiz 
ver Stadt überging, aus einem Rittersit der Herren von Bartolsvorf 
und 11 Fischerhütten, deren Bewohner jenen Nittern zu Dienst mit dem 
Nezze verpflichtet waren. Die Kirche rührt aus dem Jahre 1464 her und 
ist 1822 vur<; Schinkel schön erneuert. Der Thurm gereicht der ganzen 
Gegend zur Zierde. Auf dem Gottesa>er bei demselben liegen viele Ver- 
unglücfte begraben, die beim Baden in der Nähe ertrunken sind. Das Dorf 
zählt 24 Häuser und 143 Einwohner. Jene liegen mit ihren Gehöften am 
Ufer entlang, während die Gärten sich an der andern Seite des Dorfweges 
befinden. Es haben sich auch Berliner mit Sommerhäusern hier angestedelt 
und die Gastwirthschaften sind während des Sommers an den Sonntagen, 
auch zuweilen in" der Woche mit Gästen angefüllt. Stralau ist in dieser 
Beziehung vorzüglich seit vem Jahre 1780, wo auch erst der Fis<Ozug am
	        
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