Path:
Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

-= M = 
von manchen Schiffen erschallen. Allzuspät kann die Lust im Freien am 
24. August schon nicht mehr dauern, da der Tag um 7 Uhr sich neigt, 
aber in Treptow ist Illumination und Feuerwerk, und am Stralauer, 
Schlesischen und Frankfurter Thore nehmen erleuchtete Tabagieen zahlreiche 
trink= und tanzlustige Gäste auf, um sie erst in der Nacht zu entlassen. 
Das edelste von diesen Festen ist offenbar das zur Erinnerung an 
vie Schlacht von Großbeeren, denn da kann von patriotischem Fest- 
gefühl die Node sein. Es wird an dem Sonntage gefeiert, der auf den 
23. August odor zunächst nach demselben fällt. WVWermittelst eines Extra- 
zuges der Anhaltischen Eisenbahn oder sonst zu Wagen wie zu Fuß ge- 
langen an jenem Tage einige Tausend Berliner und Verlinerinnen schon 
Vormittags nach dem 2 Meilen entfernten Dorfe Großbeeren, wo auf dem 
Kirchhofe in der Nähe des Denkmals für die Schlacht ein Gottesdienst im 
Freien gehalten wird. Man singt unter Posaunenschall ein frommes Lied 
und der Geistliche dos Ortes hält Gebet und Predigt mit Beziehung auf 
ven denkwürdigen Sieg, der zwar einen Theil von Großbeeren in Asche gelegt, 
Verlin aber gerettet hat. Hernach ist im Dorfe derselbe marktähnliche Ver- 
kehr wie bei den übrigen Volksfesten, ja, wir sahen auch Geldspiele an dazu 
eingerichteten Tischen, allein man hört vo< auch patriotische Lieder und 
Gläserklang »u Ebren der Vaterlandsbefreier. Was von Verlin aus Lust 
hat, mitzufeiern, Vormittags aber nicht abkommen, also auch nicht bis 
Großbeeren gelangen kann, ist am Nachmittag im Tempelhof willkommen, 
wo es dann ähnliche Vergnügungen giebt, wie kurz vor- oder nachher in 
Stralau, natürlich mit Ausnahme der Wasserpartien. Der Stralauer 
Fischzug wird nämlich nie Sonntags abgehalten, sondern wenn der 24. August 
auf einen solchen fällt, erst am Tage darauf. 
Herbst. 
Eigenthümliche Herbstvergnügungen bietet Berlin und seine Um- 
gend nicht dar. In den Dörfern umher wird wohl der Erntekranz gefeiert, 
aber die Festlichkeit hat nichts Charakteristisches und mag in weiterer Ent- 
fernuno von der Hauptstadt wohl erbaulicher sein, als in ihrer Nähe; doch 
gehen die Berliner hinaus, um sich auf die gewöhnliche Art zu belustigen, 
wobei denn die Knechte und Mägde des betreffenden Dorfes sich einiger 
Beisteuern zu ihrem Tanzvergnügen erfreuen. Weinlesen, die in den Trau- 
benländern so poetische Feste im Gefolge haben, giebt es bei uns nicht mehr. 
Im legten Jahre hat man Gesammt - Erntefeste von grotesker Art ge- 
feiert. Auf der Schönhauser Chaussee und dem Wege zwischen Berlin und 
ven Mollbergen durch die Hasenheide sind da großartige Aufzüge mit Ver- 
kleidung auf Kosten der anwbhnenden Gasthausbesizer abgehalten worden. 
Man hat die Ceres, den Bacchus, den Bierkönig Gambrinus und andere 
Notabilitäten der griebischen . wie der nordischen Götter = und Heroenwelt
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.