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Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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Natürlich giebt es auc noch mannigfache wechselnde Schaustellungen. 
wie sie in einer großen Stadt producirt zu werden pflegen. Man sieht, 
wiewohl man den zoologischen Garten hat, Menagerien gern, deren Anzie- 
hungsfkraft durch Productionen ver Thierbändiger stets noch erhöht wird. 
Auch sbr “kluge, vd. h. sehr gut abgerichtete Thiere lo>en vie Schaulust, 
mögen es Affen, Hunde over Vögel sein. Seehunde und Seelöwen, Kroko- 
vile und Schlangen debütiren auch als seltene Gäste. 
Fremdenberkehr, Gasthäuser und Conditoreien. 
Alle diese Vergnügungen ziehen, sowie die Bedeutung der Hauptstadt 
als Mittelpunkt der Verwaltung, ves Handels und Verkehrs, eine große 
Menge von Fremden nach Berlin. Verweilen doch schon die Mitglieder 
ver beiden Kammern während des Winters hier, um ihren Pflichten als 
Landesvertreier zu genügen. Mit ihnen halten sich wohl 250,000 Fremde 
jährlich kürzere oder längere Zeit in unserer Stadt auf. 
* Für je waren im Jahre 1852 122 Gasthöfe vorhanden, varunter 
etwa 49 exrzter Klasse und sogenannte Hötels garnis, das sind Häuser, wo 
meublirte Stuben an Fremde vermiethet und Bedienung und Aufwartung 
nach gegenseitiger Abkunft gewährt werden. Gasthöfe zweiter Klasse mögen 
etwa 29 sein; die übrigen sind Ausspannungen. 
Wie der Fremde hier wohnt, kann der Einheimische nicht beurtheilen. 
Im Ganzen scheinen die Gäste zufrieden zu sein; doch sollen die Gasthöfe 
in den rheinischen Städten, namentlich durch die Virtuosität ver Bedienung 
den Vorzug verdienen. Man wird übrigens die Fremden in der großen 
Stadt nicht allzu sehr gewahr; während des Wollmarktes machen sie sich am 
meisten bemerklich. 
Außerdem gab es für ven Fremven, aber auch für den Berliner, der 
nicht immer zu Hause essen, trinken und rauchen will, over der gar fein 
„zu Hause“ hat, im gedachten Jahre: 251 Kaffee- und Weinhäuser, 
247. Nestaurationen und Tondvditoreien, 995 Bierhäuser und 
„Stuben, 398 Tranntweinschenken. 
In vie Weinhäuser gehen die Neichen, in die Bierhäuser die Leute vom 
Mittelstande, vorzüglich am Abend nach ven Geschäften, um ein wenig warm 
zu essen, bairisches over Weißbier zu trinken. Das letzte war lange das 
eigentliche Berliner Getränk ; daneben gab es besonders Mannheimer und 
Fredersvorfer Vier; erst seit etwa 25 Jahren ist das bairische Bier Mode 
geworden, das Anfangs aus dem Mutterlande herbeigeschafft wurde, jeht aber 
in mehreren biesigen Brauereien bereitet wird. Man trinkt jedoM auch 
Grünthaler, Jostysches, Werdersches und manche anvern Biere. Seit einigen 
Jahren haben sich noc< Apfelweinhandlungen etablirt, wozu Herr 
Petsch, der mit diesem Getränk merkwürdige Kuren macht, den ersten Anstoß 
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