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Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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ment muß besonders bezahlt werden. Die Gruft selbst hat nach der Lage 
derselben einen bestimmten höhern oder geringern Preis. 
Auf unsern alten Kirc<höfen finden wir noch aus früherer Zeit Mo- 
numente von Sandstein, zum Theil in kunstvoller Ausführung mit Sar- 
kophagen, Urnen und Figuren; später sind Grabmäler von Eisenguß, be- 
sonders (Grabfreuze mit vergoldeten Emblemen und Inschriften beliebt geworden. 
Dergleichen Kreuze stehen zu hunderten auf den Kirc<höfen, und die frische 
Vergoldung glänzt fernhin wie die Blume des Goldla>s vom Grabe. 
In neuerer Zeit sind Kreuze und aufrecht stehende Tafeln von schlesi- 
schem Marmor Mode geworden, welche vorzüglich die Fabrik von Bar- 
heine an der Friedrich- und Kronenstraße liefert. Die Erbbegräbnisse sind, 
wenn sie nicht aus gemauerten Gebäuden und Grüften bestehen, von eisernen 
Gittern umgebene Plätze, in welchen die Hügel sich befinden. Aus älterer 
Zeit liegen auch noch di>e Sandstein= oder Marmorplatten mit Inschriften auf 
ven Gräbern, und Leute des Mittelstandes bezeichnen die Grabhügel ihrer 
Verstorbenen durch kleine aufgelegte Steine und Platten. 
Auf den meisten unserer Kirc<höfe sind szit etwa 30 Jahren Leichen- 
häuser errichtet worden, welche den Zwe haben, Verstorbene, für die in 
ver Wohnunz der sonst nicht unbemittelten Angehörigen kein Raum ist, 
einstweilen k.3 zur Beerdigung aufzunehmen, vorzüglich aber auch solc<he 
Leichen eine Zeitlang über der Erde zu bewahren, welche die Vermuthung 
des Scheintodes zulassen. Namentlich um hier noch zu retten, wo es mög- 
lich wäre, sind diese Häuser entstanden, für welche Wächter und mancherlei 
entsprechende Apparate vorhanden sind. Allein 28 wird aus dem letzteren 
Grunde von diesen Einrichtungen im -Ganzen wenig Gebrauch gemacht und 
meist nur der erste Grund oder der Umstand, daß der Todte am Orte fremd 
ist, giebt Veranlassung, ihn im Leichenhause niederzusezen. Gewöhnlich ist 
übrigens mit diesem auch eine Kapelle verbunden, in welcher Begräbniß- 
feierlichfeiten abgehalten werden können. 
Oeffentliches Leben. 
Es ist schwer, das bunte, wechselvolle Leben und Treiben in einer großen 
Stadt irgend befriedigend zu schilvern; einige Züge müssen hier genügen. 
Fnxus, 
Seit Berlin Residenz ist, hat natürlich vas Leben des Hofes der Stadt 
vorzüglich das Gepräge aufgedrückt, und wir haben in der Geschichte be- 
merken müssen, wie prachtliebende Fürsten auch viel Luxus in ihrer Haupt- 
stadt veranlaßten; doch sagt die Chronik, daß die Berliner diesem gehuldigt 
haben, auch wenn der Fürst eingezogen lebte. Die wüste Schwelgerei und 
rohe Prachiliebe der älteren Zeiten ist zwar bei fortschreitender Bildung einer
	        
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