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IUustrirtes Panorama.
„Das ist infam!" riefen die Freunde Albino's- „Zurück, !
Sylvio — keinen Mord. Die Fremden müssen Ihnen Genugthuung
geben! Pfui! Ein Streit mit Waffen vor
Damen! — Foscari, trennen Sie die Gegner Unter Ehrenmännern
gleicht man Beleidigungen anders aus!"
So lautete es halb drohend, halb beschwichtigend durcheinander.
„DaS war ein Anschlag," rief Foscari, „Sie sehen, der ,
Herr war daraus vorbereitet, er hat einen Revolver mitgebracht.
Lucia, gehe auf Dein Zimmer. Contessa, ich bedaure,
aber dieser Ort eignet sich nicht mehr für Ihre Gegenwart.
Herr Buonarotti und Herr Weber, ich erwarte,
daß Sie mir und meinen Gästen auf der Stelle Genugthuung
geben werden."
Die Gräfin hatte einige Worte mit Hermann flüsternd
gewechselt. Stolz und kalt, nur siegenden Hohn im dunklen
Auge trat sie jetzt vor. „Lucia, Dableibst!" rief sie. „Marchese
Foscari, ich hatte von Ihnen erwartet, daß Sie an die
Gegenwart von Damen gedacht, als Ihr Gast meine Freunde
höhnend herausforderte. Graf d'Albino hat es sich selbst zuzuschreiben,
daß er hier öffentlich entlarvt worden ist. Ich
bestätige, was Herr Weber gesagt. Um seiner Schwester die
Rente zu stehlen, hat er sie an einen Elenden verkauft, und
nun, er reich geworden, schämt er sich ihrer und zittert vor
ihr, wie das böse Gewissen."
„Du bleibst, Lucia!" unterbrach sie sich, als der Marchese
Lucia drohende Winke gab, sich zu entfernen. „Marchese,
ich will nicht hoffen, daß Sie länger daran denken,
den Conte d'Albino in diesem Hause zu dulden. Ich will
seine Entfernung nicht als eine Genugthuung» für mich fordern,
denn ich erwarte, daß Sie an Ihre eigene Ehre denken.
Sie Alle sind Zeuge, daß der Graf seine unglückliche
Schwester beschimpft und in meinen Schutz gestellt, ich werde
sie beschützen und öffentlich den an den Pranger stellen, der
hei dieser Sache allein entehrt worden ist."
Der Marchese starrte die Gräfin an, er sah wie Albino
niedergeschmettert, vor Wuth und Scham zitterte und er
fühlte, daß sein Urtheil gesprochen — er hatte den Grafen
für leichtfertig, ausschweifend, aber nicht für ehrlos gehalten,
und in einem Augenblick war es ihm klar, daß er Alles verliere,
wenn er nicht die Partei der Gräfin ergreife.
Sie war seine Gläubigerin und wenn sie, was unzweifelhaft
schien, ihre Anklage zu beweisen vermochte, so konnte
er Lucia nicht mehr dem Grafen geben» ohne sich zu entehren;
ja, es war zu erwarten, daß die Contessa, wenn er
Gewalt brauchte, Hülfe beim Könige suchte.
„Madame," sagte er, „wenn Ihre Anklage sich auf
Beweise stützt und nicht vom Hasse dictirt ist, so werde ich
den Conte d'Albino bitten, mein Haus zu meiden; aber ersteht
mir zu nahe, als daß ich ihn: die Rechtfertigung verweigern
dürfte. Bis dahin, Madame, gestatten Sie, daß
Lucia sich entfernt."
„Wozu, Herr Marchese? Mag sie die Vertheidigung
hören, wie sie die Anklage gehört! Aber sehen Sie den
Mann an — sieht er aus wie Jemand, der sich zu rechtfertigen
wagt?"
Damit deutete sie auf den Grafen, der, von Wuth und
Scham entstellt, wohl nur durch den Revolver Carlo's davon
zurückgehalten wurde, seiner wilden Leidenschaft die Zügel
schießen zu lassen.
Er antwortete mit einem Blick tödtlichen Hasses. „Ich
habe mich vor Niemand zu rechtfertigen," knirschte er, „aber
ich werde diesen Schimpf rächen; Sie sind Zeuge, meine
Herren, daß dort der Feigling wie ein Bandit mit dem Revolver
droht, indessen seine Buhlerin keift. Wen» der Elende
nicht Genugthuung geben will als Cavalier, so werde ich
Geusd'armen reqniriren. Feige Lügner, die Unbewaffneten
mit Pistolen drohen, erwartete ich nicht hier zu treffen, obwohl
lüderliche Weiber auch lüderlicheS Gesindel und Strauchdiebe
mit sich führen."
„Carlo," sagte die Gräfin, die bleich geworden wie der
Tod, und ihre Hand ergriff krampfhaft seinen Arm, als er
schon den Revolver hob, „der Mann darf nicht sterben, ehe
er als Lügner gebrandmarkt worden. Er ist zu erbärmlich,
als daß ich Sie bäte, meine Ehre mit dem Degen zu vertheidigen;
er soll mir Rede stehen vor Gericht, als Fälscher,
als Betrüger, als Lügner und Verleumder. Folgen Sie
mir — der Marchese Foscari kann uns nicht schützen."
• Damit verließ sie stolzen Schrittes das Gemach, nachdem
sie der zitternden, halb ohnmächtigen Lucia den Arm
gereicht. Buonarotti folgte ihr, aber Hermann blieb zurück.
„Meine Herren," wandte er sich zu den Gästen, die
vor Albino zurückgewichen, als die vernichtende Anklage laut
geworden, „ich bin bereit, auf der Stelle Jedem von Ihnen
Genugthuung zu geben, der sich beleidigt dünkt, nur den
Einen nehme ich aus, der unter der Anklage des Betruges
steht, für die ich ebenfalls Beweise habe und Zeugen stellen
werde. Ist Jemand unter Ihnen, der sich von mir dadurch
gekränkt glaubt, daß ich die Maske vom Antlitz eines Elenden
gerissen, so erwarte ich dessen Forderung in de» nächsten
zehn Minuten, ehe ich dieses Haus verlasse."
Es war kein Einziger unter den Anwesenden, der sich
für Albino erhob. Das Bewußtsein der Schuld lag aus
seinem Antlitz, als wäre es mit dem Fluche Gottes gestempelt.
Wenige Minuten später und die Gäste hatten die Villa
verlassen; Albino war allein davon geritten, Wuth und finsteren
Rachedurst im Herzen.
Die Gräfin war unterdessen auf ihr Zimmer geeilt und
packte ihre Sachen zusammen. Der Marchese erschien, als
sie Lucia veranlaßte, ein Gleiches zu thun.
„Contessa," sagte er, „hätten Sie mir die Ausschlüsse
über den Grafen Albino früher gegeben, so wäre uns eine
sehr unangenehme Scene erspart worden. Ich kann Sie nicht
bitten, in meinem Hause zu bleiben, denn es gehört Ihnen
und Sie hätten ein Recht, mich daraus zu entfernen.
Aber meine Tochter bleibt bei mir."
„Sie geht mit mir, „entgegnete die Gräfin kalt, „oder
ich bleibe und nehme die Villa in Beschlag. Ich habe die
Ordre ausgefertigt bei mir. Ihre Güter sind verfallen."
„So nehmen Sie meine Habe, meine Tochter folgt
ihrem Vater."
Die Contessa schaute ihn befremdet an. „Herr Marchese,"
sagte sie, „Sie hören, ich lasse Ihnen Ihre Güter,
wenn Sie mir Lucia anvertrauen."
„Madame, und ich gebiete meiner Tochter, zu bleiben.
Ich errathe, welcher Argwohn Sie zu Ihrer Forderung bewegt,
aber sie ist ein Schimpf. Glauben Sie, daß ich mein
Kind einem Schurken übergeben würde? Was berechtigt Sie
zu einer so beleidigenden Annahme? Ich kannte Albino als
Ehrenmann, Ihre Schuld ist es, wenn Sie mich in dem
Glauben ließen und mit der vernichtenden Anklage gewartet
bis heute. Aber es scheint, Sie glauben, ich könne mein
j Kind verkaufen an Albino oder an Sie. Aus diese Beleidigung
habe ich nur die Antwort, thun Sie Ihr Aergstes.
Lucia, Dein Vater befiehlt Dir und bittet Dich, bleibe bei
ihm. Willst Du, daß ich Dir fluche? Mit Güte oder Gewalt
— Du bleibst — aber ich schwöre Dir, Du sollst
nichts zu fürchten haben, ich werde Dich bester vor Albino
1 schützen, als die Gräfin es kann."
Die letzten Worte waren entscheidend. Lucia stürzte sich
in seine Arme. „Vergeben Sie, Contessa," schluchzte sie,
„aber Sie hören es sä, mein Vater will es, er bittet, nnd
er will nichts mehr von dem Elende» wissen!"
Die Contessa hätte eher alles Ändere, als diesen Widerstand
erwartet. Sie war gewöhnt, daß Lucia in Allein bei
ihr Räth suchte und ihrem Wink gehorchte. Im ersten Augenblick
war es daher Ueberraschung und Zorn, was ihre Seele
erfüllte, aber sie Überwand das Gefühl.
„Wie Du willst, Lucia," sagte sie, „ich dachte nur, Deine