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Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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werden. Die Einnahme von dieser Mahl- und Schlachtsteuer ist das 
Jahr über natürlich sehr beträchtlich und kommt zu zwei Drittheilen dem 
Staate, zu einem Drittel ver städtischen Verwaltung zu Gute. Eine Auf- 
hebung derselben, wenn sie möglich wäre, würde freilich vem einzelnen Ver- 
zehrer keinen bemerkbaren Nutzen bringen. 
Yeichenboesen. 
„Als unser Heiland in die Nähe der Stadt Nain kam, "ehe, va trug 
man einen Todten heraus“, erzählt das Evangelium. In dieser Weise wurden 
alfo auch früher wohl bei uns die Todten bestattet. Jeßt werden nur Soldaten- 
leichen und solche von Handwerksgesellen von Kameraden zur Gruft getragen, 
Beim Militair wird dazu eine Mannschaft commandirt, deren ein Theil, von 
einem Officier geführt, zugleich die Vegleitung oder die sogenannte Leichen- 
parade ausmacht. Die Todten vom höhern Range im Militair werden je- 
doch gefahren. Es findet dabei ein vorgeschriebenes Leichengepränge Statt. 
Hat der Verstorbene einen Feldzug mitgemacht, so wird über seinem Grabe 
zu seiner Ehre geschossen. 
Die Handwerksgesellen schmücken den Sarg ihres Todten, den sie auf 
einer Bahre hinaustragen, mit einer schwarzen Decke, mit Kränzen und Em- 
blemen des Handwerks, und ein Zug der Collegen in vreieckigen Hüten und 
schwarzen Mänteln folgt nach; vie Leidtragenden halten wohl auch Citronen 
in den Händen. Das Kleinovd des Handwerks wird vorgetragen. 
Ein ähnliches Leichenbegängniß wird ven Bürgern unvd Beamten zu 
Iheil, we've fie TUpzüge des Freiheitskrieges mitgemacht haben und einem 
ver Beerd „«uno5vereine beigetreten. sind, die sich zu einer feierlichen 
Vestattung ihrer Mitglieder gebilvet haben. Der Todte wird jedoch in diesem 
Falle gefahren. Es folgen ihm die ehemaligen Cameraden, vie vem Vereine 
angehören, zu Fuß; Musik aht voran, und eine Fahne wird vorgetragen. 
Alle Todten der oben nicht bezeichneten Klassen müssen zur letzten Ruhestätte 
gefahren werden, erstens weil freilich “ie ege nach den Kirchhöfen zum 
Theil sehr weit sind, zweitens aber auch, weil ein fogenannter Leichencom- 
missarius mit vorschriftsmäßiger VDestattung der * 'odten beauftroat ist. 
Ganz arme Leute, die entweder keine Ange, en oder nur solche haben, 
venen alie Mittel zur Beerdigung ihres Todten fehlen, werden auf Kosten 
ver Armendirection begraben. Sie erhalten ein ganz einfaches Todtenfleid, 
einen dergleichen Sarg und einen Leichen-.Wagen, welcher den Anblick 
eines großen viereckigen Kastens bietet, 52x mit schwarzem Tuch beschlagen 
ist. Dieses Wagens bedienen sich auch biejenigen Armen für ihre Verstor- 
benen, welche nur die geringsten Beerdigung??osten zu bestreiten im Stande 
sind. C3 giebt außerdem noch einen Mittel-Loichenwagen und einen solchen 
erster Klasse. Beide haben eine alt hergebrachte Form, die einigermaßen der 
Gestalt des Sarges nachgeahmt ist. Sie sind anständig mit schwarzen Deen
	        
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