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Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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tragen, welches Namen und Wohnung ves Besitzers enthielt, und das Thier, 
dem ein solches fehlte, konnte gleichfalls aufgegriffen werden. Im Thier- 
garten, wie in der Hasenheide mußte man Hunde an ver Leine führen, wenn 
ste nicht Gefahr laufen wollten, von dem Jäger erschossen zu werden. Seit 
vem genannten Jahre zahlt jeder Berliner, der einen Hund zum Vergnügen 
hält, drei Thaler jährlich Steuer für denselben, und ver Hund trägt eine 
Marke mit der Jahreszahl am Halse, welche als Quittung für die gezahlte 
Abgabe gilt. 
Als aber vor vier Jahren sich traurige Unglücksfälle vurc< die Hunds- 
wuth ereigneten, wurde befohlen, daß jeder Hund einen Maulkorb tragen 
solle, womit man denn die Hunde gegenwärtig auch umherlaufen sieht. Das 
Hundehalten hat durch alle diese beschränkenden Maßregeln nicht abgenommen, 
und die Steuer bringt jährlich eine ziemlich bedeutende Summe ein. 
Die Straßenerleuchtung ist seit vem großen Kurfürsten bedeutend 
vervollkommnet. Im vorigen Jahrhundert bingen quer über die Straßen 
Laternen mit Oellampen. Im Jahre 1803 erhielten diese Lampen Never- 
beren, und die Laternen befanden sich vor und nach an den Häusern. 1826 
aber erbot j h die englische Continental=-Gaserleuchtungs-Compagnie Berlin 
mit Leuchtz33 »u versorgen und begann ihr Werk mit Erleuchtung der 
Linden. Als dort am ersten Abend auf eisernen Ständern, wie sie noch 
vorhanden sind, in: eleganten Laternen die Gasflammen brannten, wogte eine 
freudig erregte Menge durch die Linden, und die anzündenden Beamten 
wurden mit jauchzendem Beifall begrüßt. Darauf erhielten die breiteren 
Straßen eben solche Laternen auf Ständern zur Seite des Dammes , die 
schmaleren dergleichen auf eisernen Gestellen an den Häusern. Der mit 
jener englischen Gesellschaft von dor Stadt "geschlossene Contract lief im 
Jahre 1846 ab, und man konnte sich wegen der Uebernahme der gemachten 
Einrichtungen von Seiten der Stadt mit derselben nicht einigen, deshalb 
wurden von der städtischen V>hörde neue Gasröhren unter ven Straßen- 
vämmen gelegt, und seit vem 1. Januar 1847. werden unsere Straßen und 
Rlätze mit städtischem Gas erleuchtet, während die englische Compagnie 
noch fortfährt, für diejenigen Vrivaien, welche ihr treu geblieben sind over 
sich neuerlich) an sie gewendet haben, Gas zu liefern. 
Die städtischen Gasbereitungs- Anstalten befinden sich vor vem Hallischen 
Thore am Hellweg, am Stralauer - Plaße, am Koppenplatze und hinter der 
Georgenstraße an der Spree, die englischen vor dem Hallischen Thore und 
an der Holzmarktstraße. Die Stadt hat seitvem auf unseren Plätzen größere 
Gaslaternen auf schönen Candelabern errichtet, solche vefinden sich ihrer 
drei auf dem Schloßplatze, andere auf vem Dönhofsplaize, auf dem Haus- 
voigteiplaße, dem Pariserplaze 2c., auch das Standbild Friedrich des Großen 
ist von vier Gasflammen in Laternen bestrahlt. Englisches und städtisches 
Gas erleuchtet auch größtentheils am Abend unsere Läden und strahlt vurch 
vie großen Spiegelscheib en an den Fenstern und Thüren derselben hell auf 
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