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Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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schaut, wird man durch eine große Menge jener hohen" Schornsteinobelisken 
erfreut, die auf Dampfmaschinen, welche bei jenem Betrieb thätig sind, hin- 
deuten. Dort liegen großartige Etablissements erster Kategorie, deren Waaren 
mit denen des sächsischen Erzgebirges in gleicher Reihe stehen und mit Eng- 
land auf dem Weltmarkt concurriren. Sie behaupten eine ausgezeichnete 
Stelle unter den Fabrikaten Norddeutschlands, ja Europa's; große Kapitalien 
sind in ihnen angelegt und mehr als ein Drittheil aller Arbeiter vieses 
Zweiges in den preußischen Staaten darin Goschäftigt; in Muster, Druc 
und Farbe behaupten die Berliner Kattune fast den ersten Plaz. Lange 
nicht alles Gewebe, das hier bedruckt wird, kann am Orte gefertigt werden, 
und beschäftigen diese Anstalten daher auch auswärts viele Webestühle. 
An roher Seide kann in unserm Lande nicht viel erzeugt werden, 
wenn auch schon Friedrich der Große sich um Hebung dieses Gewerbs- 
zweiges viel Mühe gab, die seidenen Zeuge Berlins sind jedoch, wie 
die Kattune, bedeutende Handels= und Ausfuhrartikel. Es gehen in Berlin 
jezt etwa 1800 Stühle, d. i. 14 pCt. aller im preußischen Staate. Das 
Nohprodukt kommt besonders aus der Lombardei und Sardinien; unsere 
Waaren aber gehen nac) den Donaufürstenthümern und weiter nach dem 
Orient, theilweise auch nach Südamerika. Den Anfang mit dieser Fabri- 
kation verdankt Berlin den französischen Refügies und die weitere Ausbildung 
ver Sorgfalt des großen Königs. 
Der Detail-Handel mit Seivenwaaren, Manufafktur- und 
Modewaaren ist in unserer Stadt bedeutend; prächtige Läden der Art 
überzeugen schon von Außen den Einheimischen wie den Fremden davon. 
Ein Geschäft wie das Gerson'sche möchte, wenigstens in Deutschland, 
einzig in seiner Art sein. Die Berliner Moden sind weit und breit in den 
Zollvereinsstaaten und über ihre Grenzen hinaus, tonangebend geworden 
und Käufer aus den verschiedensten Gegenden versorgen sich direkt von 
Berlin. Einen ausgebreiteten Nuf hat neuerdings namentlich die Fabri- 
kation sertiger Damenmäntel, Mantillen, Visiten u. s. w. er- 
langt und finden dieselben , wie die andern Modeartikel, besonders an ' die 
aus vem Norden und Nordosten kommenden Fremden häufigen Absatz. 
Ein alter Gewerbszweig Berlins ist endlich die Wachstuchfabri- 
kation, welche jezt 5 Fabriken und 119 Menschen beschäftigt. 
Färbereien sind in Berlin 63 mit 122 Gehülfen. 
Kleidvermacher, auch Tailleurs, Modisten u. s. w. genannt, giebt 
es 2776 Meister. Auch ihre Kunstwerke findet man in Schaufenstern vielfach 
ausgehängt und an Modepuppen ausgestellt, selbst von den 2720 Schuh - 
machermeistern präsentiren viele ihre Arbeiten in sinnreicher Ausstellung, 
worin auch von den 122 Kürschnern nur wenige zurückbleiben, denn 
man findet kostbare Pelzwaaren über und neben ausgestopften. Füchsen und 
Bären ausgehängt. 
Hutmacher hat Berlin 88, Handsc<uhmacher 139, Kamm-
	        
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