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Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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aber doh den ersten Preis nicht erhalten haben, da das Geschirr von Sevres 
für zierlicher und brauchbarer erklärt worden ist. Es coneurrirt mit der könig- 
lichen die Schumann'sche Porzellanfabrik in Moabit, welche mehrere Nieder- 
lagen in Berlin hat. Dazu giebt es eine königliche Wesundheitsges<irr- 
Manufaktur und eine dergleichen von Schomburg. 
Wagenbauer giebt es hier etwa 25. Um diese Fabrikation 
haben sich vorzüglich Pflug, Jungblut, Lämmerhirt ec. verdient ge- 
macht. Sie liefert ven Beweis. von dem erfreulichen Ineinandergreifen der 
verschiedensten Gewerke in dem großen-Mecbanismus der hieher gehörigen 
Anstalten. Unter ihnen ist die Pflug'sche, Chausseestraße 11, im Stande, 
wöchentlich 25 Stü Eisenbahn- und andere Wagen herzustellen. Sie be- 
jc<äftigt 900--1000 Menschen und zwar Schmiede, Schlosser, Dreher, 
Schleifer, Tischler, Klempner, Stellmacher, Zimmerleute, Kupferschmiede, 
Lackirer, Sattler u. s. w. 
Selbständig arbeiten noch mehr als 150 Sattler und 259 Riemer. 
In Tischlerwerkstätten arbeiten hieselbst 1619 Meister und 3820 
Gesellen. Sie verfertigen vorzügliche Möbel, die zahlreich in die Provinzen, 
auch ins Ausland, namentlich nach den Donau - Fürstenthümern versendet 
werden. Nach Amerika gehen jedoch jetzt keine. 
Die Papierfabrikation hat in den lezten Jahren in Verlin nicht 
zugenommen, außer daß mancherlei Luxuspapier in gepreßten, vurc<brochenen 
oder durchstochenen Formen für die Damen-Correspondenz und zu mancherlei 
Ausschmückungen in neuester Zeit an mehreren Orten bereitet wird. Pappen 
werden für Dachbede>ung neu angefertigt, und in wohlfeilen Tapeten macht 
man gute Geschäfte; die kostbarern kommen noch immer aus Frankreich. Es 
mag dagegen erwähnt werden, daß Berliner Sti>kmuster im Auslande 
vielen Beifall finden und namentlich nach England und Amerika gehen, wo 
vie Damenwelt sie werth hält. 
Manufakturen. 
Verlin ist keine Stadt für Spinnereien. Es giebt hierselbst nur 
drei dergleichen für Wolle, darunter zwei mit 5260 Spindeln zu Streich- 
garn und eine zu Kammgarn mit 1600 Spindeln, eine für Baumwolle mit 
400 Spindeln, und für Leinengarn gar keine, Eine versuchte großartige 
Anlage der Art ist erst vor Kurzem gescheitert. Berlin muß das Garn 
kaufen, welches es verarbeitet. Für Baumwollengarn ist England vie Fabri- 
kationsstätte, welche fast die ganze Welt versorgt; gesponnene Wolle liefern 
vie Zollvereinsstaaten Deutschlands; Leinengarn kommt aus Schlesien. 
Zur Verarbeitung dieses Materials fehlt es in Berlin an Anstalten 
nicht. Um mit der leichtesten und saubersten Waare anzufangen ,“so hat 
namentlich das Posamentier-Geschäft sich in den lezten Jahren bei 
uns außerordentlich gehoben. Der Umsatz im Groß- wie im Kleinhandel,
	        
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