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Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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Neuere Gegenstände der Fabrikation sind Altäre, Crucifixe und Taufsteine. 
Für die Stiftungsfeier der Universität Greifswald ist im vorigen Jahre ein 
Monument aus galvanisirtem Zink gearbeitet worden, das aus einem 45 Zoll 
hohen, mit vielen Figuren geschmückten Thurme besteht. Eine treffliche Schule 
von Arbeitern hat sich allmälig in Berlin ausgebildet, die, nachdem sich die 
Erzeugnisse dieser Industrie über England, Frankreich, Schweden und Amerika 
ausgebreitet haben, theils hier, theils in Wien und Paris selbständige Werk- 
stätten gründeten. In letzterer Stadt gelang es erst mit Hülfe hier ausge- 
bildeter Techniker gute Zinkgüsse auszuführen. Seitdem haben es die äus- 
gezeichnetsten Künstler nicht verschmäht, Modelle für ven Zinkguß zu liefern. 
Die hiesigen Gießereien bringen den Centner Rohzink auf 30 Thaler, bei 
Statuen auf 60 Thlr. aus. 
Gold-= und Silberwaaren werden bei "uns fabrikmäßig nur in 
wenigen größeren Werkstätten gefertigt, voch weist der neueste Wohnungs- 
anzeiger an 400 selbständige Arbeiter in diesem Kunstzweige nach; auch 
Neusilberfabriken sind nur zwei bedeutende vorhanden, aber die Hand- 
lungen mit diesem Fabrikat mehren sich. Die Arbeiten in edlen Metallen 
sind“ vielfach "an Schaufenstern ausgestellt und erregen Bewunderung. Sie 
gehen zum Theil ins Ausland, befriedigen aber vorzüglich nur das Bedürfniß 
des Luxus in der Hauptstadt und einigen Provinzen. Gold- und Silber- 
manufacturen, die früher in großem Rufe standen, giebt es 11. 
Broncewaaren-Fabrifkanten arbeiten 24 meist nur für Stadt 
und Provinz. 
Spiegel werden in Berlin nicht gefertigt, dagegen nicht wenig Gold- 
rahmen und Leisten. 
Neue Uhren fabricirt man nur ausnahmsweise, doh sind überhaupt 
200 Uhrmacher und etwa 230 Gehülfen in Berlin chätig. 
Verfertiger musikalischer Instrumente zählt man 97 und 135 Ge- 
hülfen *). Rühmender Erwähnung verdienen die Orgelbauer Buchholz, 
Vater und Sohn, von denen der erste seit einer Reihe von Jahren sowohl 
in Berlin, als außerhalb die trefflichsten Orgelwerke aufgestellt hat. Die 
Orgeln in der Nicolai- und Petrikirche allein sind im Stande, seinen Ruhm 
zu erhalten. Auch Lange und Dinse haben kunstgerechte Orgeln geliefert. 
Mechanici und Verfertiger mathematischer und <irurgischer Instrumente 
giebt es 114 mit 182 Gehülfen; Messerschmiede 52, Instrumenten- 
schleifer. 28, Gürtler 221 Meister mit 503 Gesellen; Graveure, 
Steinschneiver und Wappenstecher 113 mit 85 Gehülfen. 
Von unserer trefflichen Porzellanfabrikation, soweit sie auf königl. 
Rechnung betrieben wird, ist schon in der Chronik der Stadt die Rede gewesen. 
Hier sei noch erwähnt, daß die Berliner Arbeiten auf der Pariser Ausstellung 
im Jahre 1855 zwar wegen ihrer Malerei und Vergoldung das höchste Lob, 
*) Diese Angaben sind nac) der Zählung von 1852 gemacht,
	        
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