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Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

) 
Musik< ören der verschiedenen Warderegimenter, sowohl der Kavallerie, 
als > Infanterie. Wie hat sich voch die Armeemusik seit Anfang dieses 
Jahrhunderts vervollkommnet! Früher hatte ein Regiment etwa ein Dutzend 
Musiker; Trompeten und Kesselpauken waren die Hauptinstrumente. Jett 
hat i-des Regiment ein volles Musik<or, aus 36 bis 40 Mitgliedern be- 
Gops Tie ein eigener Musikdirector anführt. Die Gardemusik<öre werden 
7e "t bei Hoffesten verwendet und jeder Hautboist versteht außer seinem Blase- 
instrument auch ein Saiteninstrument kunstmäßig zu spielen. Zuweilen führen 
mehrere dieser Chöre gemeinschaftlich Musiken in Kirehen und Concertsälen 
auf; vorzüglich aber lassen sich die einzelnen Negimentsmusiken während des 
Sommers in Gärten und öffentlichen Localen vor der Stadt hören, führen 
außer Tänzen und Märschen die schönsten Duvertüren und Symphonien aus 
und unterhalten ein zahlreiches Publikum, welches für diese Aufführungen 
um 7 dankbarer ist, da sie oft zu wohlthätigen Zwecken veranstaltet werden. 
Auch auf den Straßen und Höfen VDerlins hört man "ocal- und Instru- 
mentalmusif genug. Früher gingen Gesangc<öre vom hiesigen Klostergym- 
nasium, vom Köllnischen und Werderschen Gymnasium, sowie von der Real= 
schule an den Mittwoch- und Sonnabend-Nachmittagen in ihren Stadtvierteln 
umher und fangen vor den Thüren der Familien, welche dafür zahlten, vier- 
stimmia? aeistliche Gesänae, die lange Zeit zur Erbauung dienten. Sie 
sangen au" "ei Leichenbegängnissen und zogen zu Weihnachten und Neujahr 
mit ihren * dern Abends von Haus zu Haus, um milde Gaben einzu- 
sammeln. Ties Letztere besonders gereichte den jungen Leuten nicht zum From- 
men, und die ganze Einrichtung ward deshalb vor einigen Jahren abgestellt. 
Die gedachten Chöre singen jeht zum Theil Sonntags in den Kirchen, zu 
welchen sie a-hören. 
An ihrer Stelle hat der Lehrer Marquard ein sogenanntes Lutherstift 
von Knaben, die keine ordentliche Beschäftigung haben, errichtet und läßt 
dieselben Choralgesänge vor den Thüren frommer Familien in den verschie- 
venen Theilen dy Stadt singen. 
In älteren eiten gingen auch Currendeschüler aus den kirchlichen Ele- 
mentarschulen des Morgens in ihrer Parochie umher und sangen mit ihren 
Lehrern einstimmi ie horäle, wofür ste vor den Bäckerläden etwas Brot, 
vor den Fleischläden animalische Zukost erhielten. Dies Institut war äber 
in der lezten Zeit so herabgekommen, daß der Gesang der armen Brotspechte, 
wie man sie nannte, mehr zum Aergerniß als zur Erbauung gereichte, wes- 
halb er auf unsern Straßen schon seit noc längerer Zeit verstummt ist als 
der jener Chorschüler. 
Was wir noc< hören, sind Harfen, Geigen; Flöten und andere Instru- 
mente, auch Singstimmen blinder und sehender Musiker auf Straßen und 
venjenigen Höfen, wo es nicht durch ven Wirth verboten ist. Das freieste 
musikalische Gewerbe aber, wiewohl auch dazu eine Concession nöthig ist, 
üben die Männer mit Leierkasten over Drehorgel aus, die am Tage und be-
	        
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