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Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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Die königliche Kapelle von 95 Personen enthält fast nur Virtuosen, 
und schwerlich möchte sich wiederholen, was einst zu Mozart's Zeiten vorkam. 
Der geniale Mann besuchte Berlin, hörte gleich beim Eintreffen, daß sein 
„Figaro“ gegeben werde, eilte in's Theater, drängte sich im damaligen Par- 
terre bis an's Orchester vor und verfolgte aufmerksam das Spiel der Kapelle; 
da griffen die zweiten Geiger in der Arie des Figaro dis statt d, und Mozart 
rief im Eifer laut: „Wollt ihr wohl Ad greifen!“ Als ver König Friedrich 
Wilhelm I]. ihn zu sich hatte entbieten lassen und ihn fragte, was er von 
seiner Kapelle halte, antwortete er: „Ew. Majestät haben treffliche Virtuosen 
in Ihrem Dienst; aber wenn die Herren alle beisammen sind, meine ich, 
könnten sie es wohl besser machen.“ 
Jet möchte der instrumentale Theil unserer Opernaufführungen von 
keiner Kapelle ver Welt übertroffen werden. 
Cc. - Rallet. 
Auch in Betreff des Tanzes wetteifert unsere Bühne mit den größten 
Europa's, denn zu den großen Opern, die eigentlich einen Festc<arakter haben, 
gehört nun einmal der Tanz als nothwendiger Bestandtheil, aber auch in 
besonderen Balletten, pantomimischen und Tanzdramen erxcellirt unser Theater. 
Es werden überaus große Summen zur Ausstattung solcher Prunkstücke ver- 
wendet, durch die Theilnahme des Publikums aber auch größtentheils wieder 
eingebracht. 
Die Kunst ver Balleterfinder ist bereits zu den raffinirtesten Mitteln, 
die Schaulust der Menge zu erregen, vorgeschritten, und die scenische Aus- 
stattung übertrifft alle Vorstellung. 
Unser Ballet hat 2 Balletmeister, 8 Solotänzer und 9 Solotänzerinnen, 
50 Figuranten und Figurantinnen; auch wirkt bei Aufführungen die Ballet- 
schule mit. Von unseren ersten Tänzern und Tänzerinnen haben mehrere 
zu Zeiten auch auf auswärtigen Bühnen Bewunderung erregt. 
Schauspiel, Oper und Ballet kommen abwechselnd auch auf einem 
Theater vor, das in dem Kroll'schen Etablissement sich befindet; die Künstler 
sind nicht fest angestellt, aber wenn dort etwas Ausgezeichnetes erscheint, 
findet sich ein bedeutender Zufluß der Liebhaber dahin. 
59. Concertmugik. 
Schon unsere Kurfürsten haben sich Kapellen gehalten, welche bei Hof- 
concerten spielten; Friedrich ver Große blies selbst die Flöte in Gesellschaft 
ver in seinen Diensten stehenden Tonkünstler; auch Friedrich Wilhelm Il. 
spielte im Quartett das Violoncello. Seine beiven Nachfolger waren und 
sind nicht musikalisch. Se. Majestät der jeht regierende König scheint bei 
Hofconcerten mehr ven Gesang als die Instrumentalmusik zu lieben. 
Geistliche Concerte werden, wie sc<on früher erwähnt'worden.: von
	        
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