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Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

) - 
Dies Theater hat schwere Schi>fale gehabt. Es wurde ursprünglich 
auf Aktien gegründet, dann übernahm es der Commercienrath Cerf zugleich 
mit der Direction, und wurde eine Zeit lang vom hochseligen Könige unter- 
stüßt. Seit 1848 durfte auf der Königstadt nicht mehr gespielt werden. 
Das Theater übersiedelte zunächst nach dem Vergnügungslokal Villa Colonna 
an der Königsbrücke, dann nach der Charlottenstraße und befindet sich jeht 
in der Blumenstraße. Zu einer Verjüngung desselben wird Nr. 20 der 
Münzstraße eine neue Bühne erbaut, mit der auch ein Sommertheater 
im Freien, wie es in der Blumenstraße bereits besteht, verbunden werden wird. 
Ein solches hat schon längst auch das Friedrich-Wilhelmstädtische Theater 
in der Schumannsstraße, welc<hes im Jahre 1850 auf Aktien gegründet wurde 
und für Lustspiele, Possen und kleine Opern bestimmt ist. Vortreffliche 
Komiker, wie Ascher und Weihrauch, haben ihm die Gunst des Publikums 
verschafft, und zuweilen füllt dort das Gastspiel einer berühmten spanischen 
Tänzerin Sennora Pepita ve Oliva Haus und Kasse. 
Ein viertes öffentliches Theater ist das Vorstädtische vor dem Rosen- 
thaler Thore, Weinbergsweg Nr. 10. Es ist aus einem früheren Liebhaber- 
theater in der Waldemarstraße hervorgegangen, auf welchem der Unternehmer 
Herr Gräbert an Geburtstagen der Königlichen Familie Lustspiele auf- 
führen ließ, die von der mittleren Volksklasse und auch von Herren aus den 
höheren Ständen mit besonderem Interesse besucht wurden, weil da ein eigen- 
thümlicher Verkehr zwischen Schauspielern und Publikum bestand; jezt werden 
Lust= und Schauspiele dort täglich aufgeführt, und da man mit Lust und 
Liebe spielt, hat das Publikum für billigen Eintrittspreis eine angenehme 
Unterhaltun-“. 
Endlich giebt es noch drei Gesellschafts - Theater in Berlin, Urania, 
Concordia und Thalia genannt, auf deren ersterem manche Talente für die 
größeren Bühnen sich vorgebilvet haben, wie denn Frau Crelinger als 'De- 
moiselle Düring dort ihre ersten Versuche gemacht hat. Die darstellenden 
Personen gehören den geschlossenen Gesellschaften an, welche diese Theater als 
einen Theil ihres geselligen Vergnügens unterhalten. 
db. 9per. 
Kurfürst Friedrich II, ließ zuerst in Berlin und zwar im Marstall- 
gebäude italienische Opern aufführen, die eine kurze Zeit der berühmte G. F. 
Händ-l dirigirte. Unter Friedrich Wilhelm I. wurden sie nicht fortgeseßt, 
aber Friedrich ver Große baute im Jahre 1743 das Opernhaus für lyrische 
Darstellungen, wie sie dem Kunstgeschmacke der Zeit entsprachen. Die Kosten 
ver Aufführungen wie die Gehälter der Sänger und Sängerinnen und der 
Kapelle bestritt er aus seiner Chatulle. Die Zuschauer bei den Vorstellungen 
waren seine Gäste; es wurde aber auch nur in der Carnevalszeit und wenn 
fürstlicher Besuch anwesend war, gespielt. Nach damaliger Sitte sangen hier
	        
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