Path:
Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

--= 253 =- 
meinnicht" fanden“ den größten Beifall und Absatz. Nicht mit Unrecht sind 
sie aber jezt ver Vergessenheit übergeben, da sie nur einer lüsternen Phan- 
tasie zur Nahrung dienten. Ihr Verfasser starb * als wohlhabender Mann 
in Berlin. Auf immer werth und theuer ist uns dagegen in seiner Person 
und seinen Werken Adalbert v. Chamisso, der in Frankreich geboren, 
durch die Revolution vertrieben, als wissenschaftlicher Botaniker auf vem 
russischen Schiffe „Rurik“ eine Reise um die Welt mitmachte und dann sich 
bei uns niederließ. Von seinen Studien finden wir die Früchte in einigen 
wissenschaftlichen Werken, mehr aber dankt ihm die Welt sein Mährchen 
„Peter Schlemihl“ und seine innigen <arakteristischen lyrischen Gedichte. 
Er war ein origineller, aber höchst bescheidener Mann, mit einem kleinen 
Amte beim hiesigen botanischen Garten betraut, und starb im Jahre 1838. 
Zu dieser Zeit war unsere Bühne fast ganz von vem Dichter Ernst Nau- 
pach beherrscht, der ebenfalls unter uns wohnend , bis zu seinem erst vor 
wenigen Jahren erfolgten Tode höchst wirksame Trauer- und Lustspiele schrieb, 
von denen sich mehrere der leßteren gewiß auf ver Bühne erhalten werden, 
während die ersteren zu ihrer Zeit mehr dem Tagesbedürfniß dienten, wiewohl 
sie bei guter Darstellung immer noch gefallen könnten. Die Reihe ver 
Trauerspiele, veren Helden die hohenstaufischen Fürsten sind, möchte für die 
wissenschaftliche Jugend zu allen Zeiten lehrreich sein. 
Zu den lebenden Schriftstellern unserer Stadt gehört Varnhagen von 
Ense, der durch seine fein gezeichneten Charakterbilder in Biographien und 
Zeitgemälden uns schon manchen hohen Genuß verschafft hat. Mit ihm sei 
auch seiner verstorbenen Gemahlin Nahel und ihrer Geistesverwandten, der 
originellen Bettina von Arnim erwähnt; die ihre „Briefe eines Kindes an 
Göthe“ und ihre „Günderode“ unter uns geschrieben hat. Wilibald Alexis 
(Wilhelm Häring) unterhält seit längerer Zeit die Lesewelt durch Romane, 
die für uns Berliner um so interessanter sind, als die in ihnen geschilderten 
Vorgänge zum Theil in unserer Stadt sich ereigneten. Endlich dürfen wir 
uns des Ruhmes freuen, den unser Mitbürger C.-J. Scheerenberg sich 
sowohl durch seine originellen lyrischen, als durch die epischen Gebvichte 
„Waterloo“ und „Leuthen“ erworben. Jetzt hat er, wie wir hören, ein 
Epos vollendet, dessen Gegenstand die unglückliche Nordpol = Expedition 
Franklin's ist. 
Während diese unsere trefflichen Mitbürger dichteten und schrieben, haben 
auch ausgezeichnete Aerzte bei uns gelebt und der Stadt zum Ruhme ge- 
reicht. Ein vorzüglicher Practiker war der alte Heim; Hufeland ist als 
gelehrter Arzt berühmt, und seine Schrift „Die Kunst, vas menschliche Leben 
zu verlängern“ weit verbreitet. Treffliche Operateure waren in neuerer Zeit 
von Gräfe und Dieffenbach. Jett leistet das Bedeutendste in dieser 
Beziehung Langenbe>, in ver Augenheilkunde Jüngken und der Sohn 
des genannten von Gräfe. Für innere Krankheiten ist Schönlein, ver 
aus ver Schweiz zu uns gekommen, die höchste Autorität.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.